4. Oktober 2026 – Fortsetzung aus Heft 3-2026: Wir pflügen und wir streuen


Das Mitmachheft im Kindergottesdienst

10-2026






Der rote Faden

Es gibt so viel zu staunen, wenn wir aufmerksamen sind für auch scheinbar Selbstverständliches oder Hässliches, für »Verborgenes« und nicht Offensichtliches. Da tut sich eine Welt voller Wunder für uns auf, die Gott uns schenkt.


Was dich erwartet

  • Eine aktuelle Geschichte zum Bibeltext
  • Staunenswerte Beispiele entlang von Psalm 104
  • Basteln und spielen: 36 Quizkärtchen zu Gottes schöner Welt
  • Jede Menge Sachen zum Wow-Sagen
  • Gebet und passende Rätsel »Wow! Diese wunderbare Welt« 12 Seiten; 2,40 €(ab 10 Ex. je € 2,20;ab 40 Ex. je € 2,00)
    Best.-Nr. 101-10-26

Fortsetzung aus Heft 3-2026

Wir pflügen und wir streuen

Psalm 104,14–15.27–28

I. Grundgedanken

Zugänge für den ­Vorbereitungskreis
Zum Text / Zum Thema
Die Kinder und der Text / das Thema

II. Gestaltungshinweise 

Liturgische Elemente
Lieder 

Alles jubelt, alles singt (KuS 636);
Vom Aufgang der Sonne (KuS 560, KKL 10);
Hallelu-, Hallelu 
(KuS 226, KKL 188, HuT 95, EGplus 48, MKL1 49);
Du schufst, Herr, unsre Erde gut (KuS 522, LJ 506);
Gott, dein guter Segen (KuS 176, KKL 274)

Eingangsgebet

Lieber Gott,
wir sind heute hier im Kindergottesdienst
und freuen uns, dass wir zusammen sind.
Danke für diesen Tag,
für unsere Gemeinschaft
und für alles, was du uns schenkst.
Wir bitten dich:
Schenke uns offene Ohren,
damit wir gut zuhören können.
Schenke uns offene Augen,
damit wir sehen, was wichtig ist.
Schenke uns offene Herzen,
um deine Nähe zu spüren. Amen.

Psalmgebet Psalm 104 (KuS 670)
Fürbitte

Lieber Gott,
wir dürfen die Samen in die Erde legen, 
du lässt die Pflanzen wachsen und sorgst für uns. 
Dafür danken wir dir. 
Danke für das Essen, für die Natur, für unsere Familien und Freunde.
Hilf uns, dass auch wir Gutes säen:
dass wir teilen, dass wir aufeinander achten,
und dass wir Freude weitergeben.
Lass uns dazu beitragen, dass Freundschaft gelingt, dass Schule und Kindergarten allen Kindern Spaß machen, dass wir dankbar sein können für unsere Familien. 
Sei du mit deinem Segen bei allen Menschen und Tieren und hilf uns, dass wir deinen Segen weitergeben.
Amen

Kreative Umsetzung der Geschichte
»Wasser, Feuer, Sturm und Eis«

Alle Kinder bewegen sich zu Musik im Raum. Stoppt die Musik, ruft ein*e Mitarbeiter*in eines der folgenden Worte und die Kinder handeln entsprechend: Bei Wasser suchen sie sich einen erhöhten Platz (z. B. Stuhl), bei Feuer eine Ecke, bei Sturm legen sie sich auf den Boden, bei Eis stehen sie ganz still. 

Tischgebetskarten oder Gebetswürfel

Mit jüngeren Kindern: vorbereitete Tischgebetskarten bemalen/gestalten; mit älteren: Gebetswürfel basteln. 

Frühstück

Ein kleines Frühstück rundet die Einheit ab (auf Lebensmittelunverträglichkeiten achten). 

Kreative Liedgestaltung

Der Refrain von »Wir pflügen und wir streuen« kann auf kreative Weise gestaltet werden. 

Pflanzaktion

Für eine Pflanzaktion im Kirchgarten oder in einem vorbereiteten Blumenkasten eignen sich Ringelblumen, Kapuzinerkresse oder Phacelia (schnell keimend und wachsend). 

Schöpfungsplakat

Für ältere Kinder, die oft schon ein gutes Grundwissen über Erntebedingungen und Umweltbedrohungen haben. Gemeinsam gestalten sie ein Schöpfungsplakat mit Bildern und Zeitungsausschnitten (z. B. aus landwirtschaftlichen Zeitschriften). 

III. Erzählung

Erzählung für Jüngere

Ein Traktor wirft Fragen auf

An einem warmen Frühlingstag laufen die Geschwister Mia und Ben über den Feldweg hinter ihrem Dorf. Die Sonne kitzelt ihre Nasen, und der Wind spielt mit ihren Haaren. »Schau mal!«, ruft Ben und zeigt auf den großen Acker. Ein Landwirt fährt langsam mit seinem Traktor über das Feld. »Was macht der Mann da?«, fragt Mia neugierig. Da kommt Opa Jakob dazu. Er hat gerade Zeit und weiß so einiges. »Der Bauer bereitet den Boden vor«, erklärt er. »Dafür muss er mit der Egge, die am Traktor hängt, den Boden auflockern. Siehst du die Haken, die den Boden aufbrechen?« Mia nickt. 

Das ist ein Geheimnis

»Bald wird er Samen aussäen.« »Samen? So kleine Krümel?«, will Ben wissen. Opa Jakob lacht. »Ja, ganz kleine Körner. Und trotzdem können daraus große Pflanzen wachsen.« Mia schaut auf den braunen Acker. »Aber wie wissen die Samen, wohin sie wachsen sollen?« Opa Jakob denkt kurz nach und sagt dann: »Das ist ein Geheimnis. Ein Geschenk von Gott.« 

Die Aussaat

Ein paar Tage später dürfen Mia und Ben selbst Samen säen – im kleinen Garten hinter dem Haus. Sie graben mit ihren Händen in der Erde. Sie ist kühl und krümelig. »Hallo Erde«, flüstert Ben. »Pass gut auf unsere Samen auf«, sagt Mia.
Die beiden Geschwister legen die Körner vorsichtig hinein und decken sie mit Erde zu. Dann holen sie Wasser und befeuchten die Erde. »Wächst das jetzt gleich?«, fragt Ben. »Nein«, sagt Opa Jakob. »Wir müssen warten. Und vertrauen.« In der Nacht regnet es. Am Morgen scheint die Sonne. Jeden Tag schauen Mia und Ben nach. Erst sehen sie nichts. 
Dann – eines Tages – ruft Mia laut: »Ben! Komm, ganz schnell!« In der Erde schaut ein winziges grünes Blatt heraus. Dann entdecken sie noch eins. Und noch eins. »Das haben wir gemacht!«, ruft Ben. Opa Jakob schüttelt freundlich den Kopf. »Ihr habt geholfen. Auch der Regen und die Sonne haben geholfen. Und auch die Zeit. Aber dass es tatsächlich wächst, bleibt ein Wunder. Darin erkennen wir Gott als Schöpfer.«

Die Ernte

Auch auf dem Acker hat sich etwas getan. Im Sommer werden aus den kleinen Pflanzen große Halme mit Ähren dran. Im Herbst sind sie voll und schwer. Der Bauer erntet das Korn. Mit einem großen Mähdrescher fährt er auf das Feld. Das lassen sich Mia und Ben nicht entgehen. Sie schauen zusammen mit Opa Jakob zu. »Und was passiert jetzt mit dem Korn?«, fragt Mia. Opa Jakob lächelt. »Kommt, das zeige ich euch.« 

Die Mühle

Sie gehen zusammen zur Mühle im Nachbardorf. Drinnen ist es laut. Große Räder drehen sich. »Hier wird das Korn gemahlen«, erklärt Opa Jakob. »Aus den Körnern wird Mehl.« Mia steckt vorsichtig ihre Hand in einen kleinen Sack. »Das fühlt sich ganz weich an!« »Und aus dem Mehl wird Brot«, sagt Ben. »Ja«, schmunzelt Opa Jakob, »wenn wir Oma frisches Mehl mitbringen, backt sie uns vielleicht ein frisches Brot.«

Brot backen

Am nächsten Tag steht Oma in der Küche, und es duftet herrlich. Warm und lecker. Oma knetet Teig. »Aus Mehl, Wasser, Hefe und ein bisschen Salz wird ein Teig«, erklärt sie. »Und dann braucht er Zeit.« »Schon wieder warten«, sagt Ben und lacht.
»Ja«, bestätigt Oma. »Warten gehört dazu. Alles braucht seine Zeit.« Der Teig kommt in den Ofen. Bald duftet es herrlich im ganzen Haus. »Jetzt wird aus dem Mehl Brot!«, ruft Mia. 

Tischgebet

Am Abend steht ein frisches Brot auf dem Tisch. Beim Abendessen faltet Mia die Hände. »Danke, lieber Gott«, sagt sie, »für die Erde, den Regen, die Sonne, und für das Korn. Danke, dass wir daraus Mehl und Brot machen können. Und danke für das Brot auf unserem Tisch.«
Ben nickt und ergänzt: »Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt, o Gott, von dir, wir danken dir dafür.« Und alle am Tisch stimmen ein und sagen: »Amen.«

Der besondere Tipp …

Alles dreht sich um Schöpfung und Erntedank
Bastelbogen

Der Bastelbogen hat zwei Einlegescheiben: Die eine mit sieben Bildern, die die Schöpfungsgeschichte erzählen plus weiterem Feld, das Platz bietet für ein eigenes »Dankeschön« an Gott.
Die andere mit sieben Feldern, die die Kinder zum Thema »Gott Danke sagen« ausfüllen. Das bietet sich besonders zu Erntedank an.
Doch auch bei anderen Gelegenheiten im Jahr kann hiermit zum Ausdruck gebracht werden, wie vieles es gibt, um Gott zu danken – auch ohne Garten.
DIN-A3-Bogen (auf A4 gefalzt), 250-g-Papier
€ 1,90 (ab 10 Ex. je € 1,80); 

Best.-Nr. 1638
junge-gemeinde.de


Erzählung für Ältere

Eine Mitmachgeschichte
Die Kinder teilen sich in fünf Gruppen auf: in die vier Ecken des Raumes und die Mitte. Dort steht jeweils ein dazu passender Gegenstand: Erdenruh = Blumentopf mit Erde; Lichtblick = Gartenlaterne; Quellstadt = Wasserschale; Windhöhe = Windspiel; Herzwald (Mitte) = Liederbuch.

Die fünf Dörfer

Hinter den Bergen liegen fünf Dörfer. Jedes Dorf ist anders und jedes Dorf ist stolz auf das, was es besonders gut kann.

Erdenruh

Das erste Dorf heißt Erdenruh. Dort ist der Boden dunkel, weich und fruchtbar. »Unsere Erde ist die beste«, sagen die Menschen. »Hier kann alles wachsen.« (Die Kinder in dieser Zimmerecke machen pantomimisch vor, was man mit Erde machen kann: buddeln, säen, bauen, darauf liegen, gehen …)

Lichtblick

Das zweite Dorf heißt Lichtblick. Dort scheint fast immer die Sonne. Die Menschen wissen viel über Tage und Zeiten, über Wärme und helles Licht. (Die Kinder machen pantomimisch vor, was man damit machen kann: etwas suchen, Kerze anzünden, sich sonnen, mit der Hand das Licht abschirmen …)

Quellstadt

Das dritte Dorf heißt Quellstadt. Mitten hindurch fließt ein klarer Fluss. Die Menschen verstehen alles über Wasser: über Regen, Bäche und das richtige Maß. (… trinken, waschen, gießen, kochen …)

Windhöhe

Das vierte Dorf nennt sich Windhöhe. Hier weht immer eine frische Brise. Die Menschen kennen die Kraft der Luft und wissen, wie wichtig Atem und Bewegung sind. (… Drachen steigen lassen, Mütze festhalten, sich gegen den Wind stemmen …)

Herzwald

Das fünfte Dorf heißt Herzwald. Dort leben Menschen, die oft zusammenkommen, um zu beten und zu singen. Sie sagen: »Alles, was wir haben, ist ein Geschenk.« (… was man im Gottesdienst machen kann: singen, beten, sich die Hände reichen …)

Gemeinsam ein Feld bestellen

Eines Tages beschließen die Menschen in den Dörfern, gemeinsam ein großes Feld zu bestellen. Dazu kommt aus jedem Dorf ein Kind.
Die Kinder heißen Lina aus Erdenruh, Tom aus Lichtblick, Samira aus Quellstadt, Noah aus Windhöhe und Elias aus Herzwald (wahlweise auch Namen eines Kindes aus den Gruppen).

Was die Kinder mitbringen

»Ich bringe die beste Erde«, sagt Lina. »Ich sorge für Licht und Wärme«, sagt Tom. »Ohne Wasser geht gar nichts«, meint Samira. »Und ohne Luft auch nicht«, ergänzt Noah.
Elias aus dem Herzwald hört das alles und sagt dann: »Ich kann nichts mitbringen.« Die Kinder legen los. Die Erde ist fruchtbar. Die Sonne scheint. Das Wasser fließt. Der Wind weht. (Alle aufgerufenen Kinder holen aus der Ecke ihren Gegenstand und legen ihn in die Mitte.) Jetzt müsste es wachsen! 
Aber es passiert nichts. Kein Pflänzchen wächst.

Enttäuschte Kinder

Die Kinder sitzen ratlos nebeneinander. »Wir haben doch alles richtig gemacht«, seufzt Tom. »Warum passiert nichts?«, fragt Lina. 
Da stellt sich Elias in die Mitte: »Vielleicht fehlt etwas, das man nicht tragen und nicht machen kann«, sagt er. »Ich kann zwar nicht säen, ich kann nicht gießen. Aber eines kann ich: Ich kann bitten. Lasst uns Gott um seinen Segen bitten.« Alle halten einen Moment still. Niemand lacht, niemand drängelt. Es ist ruhig. Und wichtig. 

Das erste Grün

Die erste Zeit geschieht nichts Besonderes. Doch nach einigen Tagen kommt das erste grüne Blatt aus der Erde. Dann noch eines. Und noch eines. Die Kinder jubeln. Keines sagt: »Das habe ich gemacht!« Stattdessen sehen sie sich gegenseitig an und reichen sich die Hände. Alle wissen: »Jedes allein hat das nicht hinbekommen. Und selbst sie alle zusammen haben das Wachsen der Pflanzen nicht gemacht.«

Gottes Segen

Sie haben verstanden: »Wir können vorbereiten, teilen und helfen. Aber dass dann tatsächlich etwas wächst, das bleibt ein Wunder. Das schenkt Gottes Segen.« Elias sagt, was alle denken. Er nimmt dazu die Worte eines alten Kirchenliedes: 
Wir pflügen und wir streuen
den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen
steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen
sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen,
Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle Jahre wieder
Und so kommen die fünf Dörfer jedes Jahr wieder zusammen: mit Erde, Licht, Wasser, Luft und offenen Herzen für Gottes Segen.

Der besondere Tipp …

Herbst und Erntedank mit Kindern erleben
Geschichten und Kreativideen

Die Geschichten und Aktionen des Buches rund um die Natur machen die Streifzüge dorthin zum Erlebnis. Plus Informationen zu den Festen dieser Zeit, kreativen Ideen, Gebeten und Traumreisen zu dieser farbenfrohen Jahreszeit.

€ 12,00; 

Best.-Nr. 2180

junge-gemeinde.de

– die Heilung der Tochter des Jairus und der blutflüssigen Frau

Markus 5,21–43

I. Grundgedanken

Zugänge für den ­Vorbereitungskreis
Zum Text / Zum Thema
Die Kinder und der Text / das Thema

Jesus sieht dich: Trotz der Menschenmenge nimmt Jesus die einzelne Frau wahr. Auch das zwölfjährige Mädchen steht im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit. Kinder wollen gesehen und beachtet werden und erleben manchmal, dass ihre Gefühle oder Sorgen übersehen werden. Die Geschichten zeigen: Für Jesus ist jedes Kind wichtig.
Mut zum Vertrauen: Die Frau und Jairus wagen es, auf Jesus zu vertrauen, obwohl ihre Lage aussichtslos erscheint. Auch Kinder stehen immer wieder vor Situationen, die Mut brauchen. Die Geschichten helfen, in solchen Situationen zu glauben und zu hoffen.
Niemand wird ausgeschlossen: Die blutflüssige Frau war ausgeschlossen. Jesus weist sie nicht zurück, sondern nennt sie »Tochter«. Kinder haben ein feines Gespür für Zugehörigkeit und Ausgrenzung. Die Erzählung zeigt: Bei Jesus haben alle einen Platz.
Mit Angst nicht allein: »Fürchte dich nicht! Glaube nur!« Kinder kennen Ängste, Unsicherheiten und belastende Erfahrungen. Jesus schenkt Hoffnung und Vertrauen.
Leben und Hoffnung: Die Auferweckung des Mädchens erzählt von Gottes Macht. Gerade Kinder stellen Fragen nach Krankheit, Sterben und Tod. Jesus zeigt, dass Gottes Liebe und sein Leben stärker sind als alles, was Menschen bedroht.

Wichtiger Hinweis
In der Gruppe können Mädchen sein, die bereits ihre Regelblutung haben. Das Thema kann mit Scham, Unsicherheit, Fragen verbunden sein. Deshalb sollte die Geschichte der blutflüssigen Frau entsprechend sensibel behandelt werden.

II. Gestaltungshinweise 

Liturgische Elemente
Lieder

Don’t be afraid (KKL 340)

Gebete/Ritual 

Siehe hierzu »Zur ganzen Reihe«, Seite 393

Kreative Umsetzung der Geschichte

Für Jüngere: Deren Geschichte verzichtet bewusst auf die Erzählung von der blutflüssigen Frau. Sie konzentriert sich ganz auf das Mädchen und die Liebe und Fürsorge der Eltern, die Jesus um Hilfe bitten.

Kuscheltiere

Die Kinder können Kuscheltiere mitbringen. Während der Geschichte passen sie liebevoll darauf auf. 
Sie können damit auch nachspielen, wie ein »krankes« Kuscheltier gepflegt wird. Dafür eignen sich Pflaster, Verbände, kleine Tücher.

Häschen in der Grube

Mit ganz kleinen Kindern kann das Kuscheltier auf dem Schoß »reiten«, während das Lied gemeinsam gesungen wird. So wird die Erfahrung des Schlafens und Wiederaufwachens spielerisch aufgenommen.

Interview

Für Ältere: Deren Geschichte ist ein Interview. Dadurch werden die Gemeinsamkeiten der beiden Heilungserzählungen deutlich und die Perspektiven der Betroffenen lebendig.

Das Interview kann

Zur Abfolge

1. Interview hören oder lesen
2. Bibeltext lesen
3. Gemeinsam entdecken:

Der besondere Tipp:

Peter Hitzelberger (Hg.)
Jesusgeschichten mit Legematerial erzählen

Weitere Heilungsgeschichten in diesem Buch können Anregung geben, wie die Geschichten dieser Reihe mit Legematerial erzählt werden könnten. 

Darüber hinaus enthält es Gleichnisse, Ereignisse (wie Sturmstillung, Kindersegnung, Speisung der 4000) und die Passions- und Ostergeschichte. Insgesamt 12 Ausarbeitungen. Mit vielen Fotos, Informationen zu den biblischen Texten, Hinweisen zum Legematerial, Impulsen für das Gespräch mit den Kindern sowie Gebets- und Liedvorschlägen wird dieses Buch zu einem wertvollen Begleiter in der Arbeit mit Kindern. 

Ab 4 Jahren, 144 Seiten

€ 21,00;  Best.-Nr.: 2178

junge-gemeinde.de

III. Erzählung

Erzählung für Jüngere

Das kranke Mädchen

Seit vielen Tagen liegt das Mädchen krank in seinem Bett.
Früher ist es durch das Haus gerannt. 
Es hat gelacht, gespielt und gesungen.
Jetzt ist alles anders.
Das Mädchen ist müde. 
Es mag nicht essen. 
Es trinkt nur wenig. 
Meistens liegt es mit geschlossenen Augen da.
Seine Mama sitzt oft an seinem Bett. Manchmal streichelt sie ihm über die Haare. Manchmal hält sie einfach seine Hand.
Auch sein Papa kommt immer wieder zu ihm. Dann setzt er sich leise an das Bett und schaut seine Tochter an.
Die beiden machen sich große Sorgen.
Denn sie lieben ihr Kind sehr.
Das Mädchen ist ihre einzige Tochter.
Der Vater heißt Jairus. Er ist Vorsteher der Synagoge. In der Synagoge kommen die Menschen zusammen, um zu beten und von Gott zu hören.
Auch Jairus und seine Frau beten.
Jeden Tag.
»Lieber Gott«, bitten sie, »hilf unserer Tochter. Mach sie wieder gesund.«
Doch das Mädchen wird nicht gesund.
Im Gegenteil.
Jeden Tag wird es ein wenig schwächer

Mama und Papa machen sich Sorgen

Eines Morgens legt die Mutter ihre Hand auf die Stirn ihrer Tochter.
Erschrocken zieht sie die Hand zurück.
»Sie ist ganz heiß«, sagt sie.
Der Vater nickt traurig. »Ich weiß.«
»Wir müssen etwas tun!«, sagt die Mutter.
Jairus senkt den Kopf. »Aber was denn?«, fragt er. »Wir haben schon alles versucht.«
Eine Weile sagen beide nichts mehr.
Im Zimmer ist es ganz still.
Nur das leise Atmen des Mädchens ist zu hören.

Jairus erinnert sich an die Hoffnung

»Jairus, weißt du noch, was dein Name bedeutet?«, fragt seine Frau plötzlich.
Der Vater schaut auf und nickt. 
»Meine Eltern haben immer gesagt: ›Gott lässt Menschen nicht allein. Gott schenkt Leben.‹«
Seine Frau nimmt seine Hand.
»Dann lass uns jetzt darauf vertrauen.«

Jesus ist in der Stadt

Da kommt ein Nachbar ins Haus.
»Habt ihr schon gehört?«, fragt er.
»Was denn?«, sagt Jairus.
»Jesus ist in der Stadt! Viele Menschen sind bei ihm. Alle wollen ihn sehen.«
Da richtet sich Jairus auf.
In seinen Augen leuchtet ein kleiner Hoffnungsfunke auf.
Er schaut seine Frau an.
Sie versteht sofort.
»Geh!«, sagt sie. »Ich bleibe hier.«
»Ja«, antwortet Jairus. »Ich gehe zu Jesus.«
Dann läuft er los. Immer schneller.
Durch die Straßen.
An den Häusern vorbei.
Bis er die Menschenmenge sieht.
Viele Menschen stehen um Jesus herum.
Manche wollen mit ihm reden.
Manche möchten ihm zuhören.
Manche hoffen auf Hilfe.
»Jesus! Jesus!«, ruft Jairus.
Jairus drängt sich durch die Menge: »Lasst mich durch! Bitte!«
Endlich steht er vor Jesus.
Außer Atem fällt er vor ihm auf die Knie.
»Jesus! Bitte hilf mir!«
Jesus schaut ihn freundlich an.
»Was ist denn?«, fragt Jesus
Jairus antwortet: »Meine Tochter ist sehr krank. Wir haben große Angst um sie. Bitte komm mit zu uns nach Hause. Bitte hilf ihr!«
Jesus sieht die Sorge in den Augen von Jairus. 
Dann sagt er: »Ich komme mit dir.«

Jesus vergisst das Mädchen nicht

Gemeinsam machen sie sich auf den Weg.
Doch immer wieder bleiben Menschen bei Jesus stehen. Sie möchten mit ihm reden. Sie bitten ihn um Hilfe.
Darum kommen sie nur langsam voran.
Doch Jesus vergisst das Mädchen nicht.
Keinen Augenblick.
Schritt für Schritt geht er weiter.
Dieses Kind ist ihm wichtig.
Und seine Eltern sind ihm wichtig.
Endlich sind sie fast am Haus.
Da kommt ihnen jemand entgegengelaufen.
»Jairus!«, ruft er, »es ist zu spät! Deine Tochter ist gestorben.«
Aus dem Haus hört man Weinen und Klagen. Jairus bleibt stehen.
Jesus legt ihm die Hand auf die Schulter.
»Hab keine Angst«, sagt er. »Vertrau mir.«

Im Zimmer des Mädchens

Dann geht Jesus mit den Eltern in das Zimmer des Mädchens.
Auch die Mama hat geweint. 
Ihre Augen sind ganz rot.
Jesus schaut die Mutter an. 
Dann den Vater. 
Er sieht die Tränen in ihren Augen.
Er sieht, wie lieb die Eltern ihre Tochter haben.
Und er spürt: Sie hoffen immer noch auf Gottes Hilfe.
Jesus tritt an das Bett.
Ganz vorsichtig nimmt er die Hand des Mädchens.
Die Mutter hält den Atem an.
Der Vater kann kaum hinsehen.
Im Zimmer wird es ganz still.

»Talita kum!«

Dann sagt Jesus: »Talita kum!«
Die Eltern kennen diese Worte.
Es ist ihre eigene Sprache.
»Mädchen, steh auf!«
Einen Moment lang passiert nichts.
Dann bewegen sich die Finger des Mädchens.
Langsam öffnet es die Augen.
Es atmet tief ein.
Es schaut sich um.
Dann setzt es sich auf.
Die Mutter beginnt zu weinen.
Jetzt vor Freude.
Der Vater lächelt und kann kaum glauben, was er sieht.
Das Mädchen stellt die Füße auf den Boden.
Es steht auf. Es lebt.

Das Mädchen lebt

Die Eltern nehmen ihre Tochter in die Arme.
Und alle drei lachen und weinen zugleich. 
Jesus schaut die Eltern an und sagt:
»Erzählt jetzt nicht allen davon. Bleibt erst einmal zusammen.«
Dann sieht er das Mädchen an und lächelt.
»Du hast bestimmt Hunger.
Gebt ihr etwas zu essen.«
Die Mutter nickt.
Der Vater lacht.
Und das Mädchen auch.
Es hat tatsächlich Hunger.
An diesem Tag gibt es ein Festessen.
Die Tochter lebt.
Und das Haus ist wieder voller Leben, voller Freude und voller Hoffnung.

Erzählung für Ältere

Interview mit drei Personen: 
Moderator*in; Miriam (12-jähriges Mädchen), Shira (Frau, die 12 Jahre lang unter Blutfluss gelitten hat)

Zwei Gäste – zwei besondere Geschichten

Moderator*in:  Hier ist Radio Genezareth. Hier hört ihr spannende Geschichten aus der Region – und für die Region. Geschichten, die das Leben schrieb. Heute haben wir zwei ganz besondere Gäste. Beide haben etwas erlebt, das ihr Leben für immer verändert hat. Herzlich willkommen, Miriam und Shira!
Ihre Namen kennen wir übrigens nicht aus der Bibel. Für unser Interview haben wir ihnen Namen gegeben.
Miriam: Ich bin ein bisschen aufgeregt.
Moderator*in:  Das musst du nicht sein. Wir freuen uns, dass du da bist.
Shira: Danke für die Einladung. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in einer Radiosendung sitze.
Moderator*in: Miriam ist zwölf Jahre alt und Shira war zwölf Jahre lang krank. Das nenne ich mal einen verrückten Zufall.
Shira: Ja, das stimmt. Das ist mir noch gar nicht aufgefallen. 
Miriam: Ein weiterer Zufall ist, dass Jesus uns beiden am selben Tag geholfen hat.
Moderator*in: Richtig, aber lasst uns mal anfangen. Miriam, hätte gut sein können, dass du heute gar nicht hier sitzt.
Miriam: Ja, das stimmt. Ich war nämlich sehr krank.
Moderator*in:  Was war passiert?
Miriam: So genau weiß ich das gar nicht mehr. Meine Eltern hatten große Angst um mich. Tag und Nacht saßen sie an meinem Bett. Ich hatte hohes Fieber. Irgendwann wollte ich nichts mehr essen und später auch nichts mehr trinken. Das haben mir meine Eltern erzählt. 
Moderator*in: Shira, auch du warst krank. Bei dir waren das sogar zwölf Jahre. Was war los?
Shira: Als junge Frau bekam ich – wie andere Frauen auch – meine Periode. Das war ja ganz normal. Aber vor zwölf Jahren hörte die Blutung plötzlich nicht mehr auf. Erst dachte ich: »Das dauert dieses Mal halt etwas länger. Das wird schon wieder.« Doch aus Tagen wurden Wochen. Und dann Monate.
Moderator*in: Was geschah dann?
Shira: Dann begann meine Suche nach Hilfe. Ich ging zu Ärzten. Es waren viele. Ich ließ mich behandeln. Das hat mich viel Geld gekostet. Aber keiner konnte mir helfen. Manche versprachen viel, andere schüttelten nur den Kopf.
Moderator*in: Das klingt furchtbar. Was war für dich das Schlimmste?
Shira: Das war nicht mal die Krankheit selbst, sondern es war die Einsamkeit. Nach unseren heiligen Schriften galt ich als unrein. Viele Menschen gingen mir aus dem Weg. Ich konnte nicht mehr mit anderen beten. Ich fühlte mich ausgeschlossen.
Moderator*in:  Du warst also nicht nur körperlich krank.
Shira: Ja, denn irgendwann war ich auch seelisch am Ende.
Moderator*in: Danke, Shira, dass du so offen davon erzählst. Und bei dir, Miriam, wie war die Zeit deiner Krankheit für dich?
Miriam: Wie gesagt: An die letzten Tage kann ich mich kaum erinnern. Aber ich habe gespürt, dass Mama oder Papa immer bei mir waren. Manchmal auch beide. Sie hielten meine Hand. Sie redeten mit mir. 
Moderator*in: Wie war das für dich?
Miriam: Das hat mir gutgetan. Ich wusste: »Ich bin nicht allein.«

Zwölf Jahre Leid – zwölf Jahre Leben

Moderator*in: Interessant. Ihr beide habt also etwas gemeinsam. Ihr wart in einer Situation, die fast aussichtslos schien. Und dann habt ihr beide von Jesus gehört …
Miriam: Bei mir war das etwas anders. Nicht ich habe von Jesus gehört, sondern meine Eltern.
Moderator*in: Deine Eltern? Wie kam das?
Miriam: Mir ging es immer schlechter. Meine Eltern hatten große Angst um mich. Sie dachten, dass ich sterben würde, wenn nicht noch ein Wunder geschieht.
Moderator*in: Und dann kam das Wunder?
Miriam: Ja und nein.
Moderator*in: Wie meinst du das?
Miriam: Ein Nachbar erzählte meinen Eltern, dass Jesus in unsere Stadt gekommen war. Da ist mein Vater sofort losgelaufen.
Moderator*in:  Was wollte er?
Miriam: Er wollte Jesus finden. Er lief und lief. Überall waren Menschen. Alle wollten zu Jesus. Aber mein Vater gab nicht auf. Als er Jesus endlich gefunden hatte, bat er ihn: »Komm mit zu meiner Tochter! Hilf ihr!«
Moderator*in: Und Jesus hat geholfen?
Miriam: Ja. Aber nicht sofort.
Moderator*in: Nicht sofort?
Miriam: Ja. Es waren so viele Menschen da. Alle wollten etwas von Jesus. Deshalb dauerte alles länger.
Moderator*in: Jesus hatte also keine Zeit für dich?
Miriam: Doch! Natürlich. Aber ich glaube, Jesus wollte noch einem anderen Menschen helfen. Und diesen Menschen kennt ihr inzwischen auch.

Mitten in der Menschenmenge

Moderator*in: Du meinst Shira?
Shira: Genau.
Moderator*in: Du warst also mitten in dieser Menschenmenge?
Shira: Ja. Zwischen all den Menschen fiel ich gar nicht auf. Das war mein Glück.
Moderator*in: Warum?
Shira: Weil ich große Angst hatte.
Moderator*in: Wovor?
Shira: Wegen meiner Krankheit galt ich als unrein. Viele Menschen hielten Abstand von mir. Ich hatte Angst, dass Jesus mich wegschicken würde wie so viele andere.
Moderator*in: Und trotzdem bist du zu ihm gegangen?
Shira: Ja. Ich dachte: Wenn ich es jetzt nicht wage, dann vielleicht nie mehr.
Moderator*in: Was ist dann passiert?
Shira: Ich schob mich durch die Menschen. Immer näher zu Jesus. Schließlich war ich direkt hinter ihm.
Miriam: Da war mein Vater bestimmt auch schon dort!
Shira: Ja, den habe ich gesehen. Er kniete vor Jesus und bat um Hilfe.
Miriam: Das hat mein Vater wirklich gemacht?
Shira: Ja. Er hatte große Angst um dich.
Moderator*in: Und dann?
Shira: Dann streckte ich meine Hand aus.
Moderator*in: Und?
Shira: Ich berührte ganz vorsichtig den Saum seines Gewandes.
Moderator*in: Das Gewand von Jesus?
Shira: Ja.
Moderator*in: Und was geschah?
Shira: Es ist schwer zu beschreiben. In diesem Augenblick wusste ich: Etwas hat sich verändert. Die Krankheit war weg. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren fühlte ich mich gesund.
»Wer hat meine Kleider berührt?«
Moderator*in: Das muss unglaublich gewesen sein!
Shira: Ja. Aber danach wurde es erst richtig spannend …
Moderator*in: Das musst du uns jetzt genauer erzählen!
Shira: Plötzlich blieb Jesus stehen. Dann drehte er sich um und sah sich um. Mir ist das Herz fast in die Hose gerutscht.
Moderator*in: Hat Jesus etwas gesagt?
Shira: Ja. Er musste wohl gespürt haben, dass ich ihn berührt hatte. Da fragte er: »Wer hat meine Kleider berührt?«
Moderator*in: Und was hast du gemacht?
Shira: Erst einmal gar nichts. Ich hatte solche Angst. Was, wenn ich etwas falsch gemacht hatte? Was, wenn Jesus böse auf mich war? Ich habe am ganzen Körper gezittert.
Moderator*in: Puh, man merkt dir an, wie aufregend das war.
Shira: Die Jünger machten sich gar nicht so viele Gedanken. Sie sagten zu Jesus: »Hier sind doch so viele Menschen! Jeder könnte dich berührt haben!«
Moderator*in: Aber Jesus hat weitergesucht?
Shira: Ja. Er wollte unbedingt wissen, wer es gewesen war.
Moderator*in: Und dann?
Shira: Ich weiß bis heute nicht, woher ich den Mut genommen habe. Aber plötzlich trat ich vor. Ich fiel vor Jesus auf die Knie und erzählte ihm alles.
Moderator*in: Alles?
Shira: Ja. Von meiner Krankheit. Von den zwölf Jahren. Von meiner Angst. Von meiner Hoffnung. Einfach alles.
Moderator*in: Oh oh. Und wie hat Jesus reagiert?
Shira: Ganz anders, als ich gedacht hatte.
Moderator*in: Jetzt mach es nicht so spannend!
Shira: Jesus sah mich an. Und dann sagte er: »Meine Tochter.«
Miriam: Wirklich? Das hat er gesagt?
Shira: Ja, »meine Tochter.« So liebevoll hat lange niemand mehr mit mir gesprochen. In diesem Moment war mir klar: Jesus schickt mich nicht weg. Er freut sich, dass ich gekommen bin.
Moderator*in:  Und dann?
Shira: Dann sagte er: »Dein Glaube hat dich gesund gemacht. Geh in Frieden.«
Moderator*in: Wie hast du dich da gefühlt?
Shira: Als wäre eine schwere Last von meinen Schultern gefallen. Die Krankheit war weg. Aber auch die Angst war weg. Zum ersten Mal seit vielen Jahren hatte ich wieder Hoffnung.

»Du kommst zu spät!«

Moderator*in: Währenddessen wartete Jairus immer noch darauf, dass Jesus zu seiner Tochter kommt. Und genau da wurde es für dich, Miriam, und deine Familie noch einmal richtig schwer …
Miriam: Ja, das stimmt. Alle glaubten, mir sei nicht mehr zu helfen. Als Jesus endlich bei unserem Haus ankam, lief ihm gleich jemand entgegen und sagte: »Du kommst zu spät. Das Mädchen ist gestorben.«
Moderator*in: Aber Jesus ließ sich davon nicht abhalten.
Miriam: Nein. Er schickte erst einmal alle hinaus. Dann ging er nur mit meinen Eltern zu mir ins Zimmer.
Moderator*in: Und was ist dann passiert?
Miriam: Das Erste, woran ich mich erinnern kann, sind seine Worte.
Moderator*in: Jetzt mach es nicht so spannend! Was hat Jesus denn gesagt?
Miriam: Er sagte: »Talita kum!«
Shira: »Mädchen, steh auf!« Das bedeutet es doch. Wie spannend! Mich hat Jesus ja auch als Tochter angesprochen.
Moderator*in: Stimmt. Euch beide verbindet mehr, als man denkt. Aber weiter, Miriam, was geschah dann?
Miriam: Es ist schwer zu beschreiben. Ich hörte seine Stimme. Und plötzlich war alles anders. Es war, als würde ich aus einem tiefen Schlaf aufwachen.
Moderator*in: Und dann?
Miriam: Ich öffnete die Augen. Ich setzte mich auf. Meine Eltern konnten es kaum glauben. Und dann stand ich auf und fiel ihnen um den Hals.

Ein Mädchen hat Hunger

Moderator*in: Das muss ein unglaublicher Moment gewesen sein.
Miriam: Das war es. Meine Mama hat geweint. Mein Papa auch. Aber diesmal vor Freude.
Shira: Das hätte ich gern gesehen.
Miriam: Und weißt du, was das Verrückteste war?
Moderator*in: Na, was denn?
Miriam: Ich hatte einen Riesenhunger!
Moderator*in: Nach allem, was passiert war, wundert mich das nicht.
Miriam: Jesus musste sogar lächeln. Er schaute meine Eltern an und sagte: »Gebt ihr etwas zu essen!«
Shira: Das gefällt mir an Jesus. Er denkt nicht nur an die großen Wunder. Er denkt auch daran, dass ein Mädchen Hunger hat.
Moderator*in: Das ist ein schöner Gedanke. Jesus sieht den einzelnen Menschen. Dich, Shira. Dich, Miriam. Und das macht beide Geschichten bis heute so besonders.

Zwei Geschichten – eine Botschaft

Moderator*in:  Wenn ich euch beide so höre, dann fällt mir etwas auf.
Miriam: Was denn?
Moderator*in: Ihr habt ganz unterschiedliche Geschichten. Aber ihr habt auch vieles gemeinsam.
Shira: Stimmt. Wir waren beide in großer Not.
Miriam: Und wir dachten beide, dass uns niemand mehr helfen kann.
Shira: Aber Jesus hat uns gesehen.
Miriam: Und er hat uns nicht vergessen.
Shira: Er hat mir neue Hoffnung geschenkt.
Miriam: Und mir neues Leben.
Moderator*in: Das ist ein wunderbarer Gedanke. Jesus hat euch gezeigt: Niemand ist ihm egal. Nicht die Frau, die seit zwölf Jahren leidet. Und nicht das Mädchen, das zwölf Jahre alt ist.
Shira: Und manchmal braucht man nur den Mut, sich an ihn zu wenden.
Miriam: Oder das Vertrauen, auf ihn zu warten.
Moderator*in: Vielen Dank, Shira. Vielen Dank, Miriam, dass ihr eure Geschichten mit uns geteilt habt.
Shira: Danke für die Einladung.
Miriam: Es hat Spaß gemacht.
Moderator*in: Das war Radio Genezareth. Heute mit zwei Frauen, die erlebt haben: Jesus sieht Menschen. Und er vergisst sie nicht. Oder, wie Jesus zu Jairus sagte: »Fürchte dich nicht! Glaube nur!«
Macht’s gut und bis zum nächsten Mal bei … Radio Genezareth – spannende Geschichten aus der Region und für die Region. Tschüss zusammen!

Markus 7,31–35

I. Grundgedanken

Zugänge für den ­Vorbereitungskreis
Zum Text / Zum Thema
Die Kinder und der Text / das Thema

Wenn die Worte fehlen: Viele Kinder kennen das: Sie wissen nicht, wie sie sagen sollen, was sie fühlen. Der Mann in der Geschichte macht eine ähnliche Erfahrung.
Wenn niemand richtig zuhört: Kinder erleben Streit, Missverständnisse oder werden überhört. Manchmal hören die Ohren alles, aber das Herz hört nicht zu.
Andere tragen mich mit: Der Mann kommt nicht allein zu Jesus. Seine Freunde bringen ihn. Auch Kinder erleben: Manchmal helfen andere weiter, wenn man es selbst nicht schafft.
Jesus nimmt Menschen ernst: Jesus stellt den Mann nicht aus. Er begegnet ihm persönlich. Jesus sieht den Menschen, nicht seine Schwächen.
»Effata – Öffne dich!«: Kinder verstehen gut, was offen und verschlossen bedeutet. Das Wort Jesu lädt ein, offen zu werden: für andere Menschen, für neue Freundschaften, für das Gute, für Gott.
Für ältere Kinder: Manchmal ziehen Menschen sich zurück – aus Angst, Scham oder Enttäuschung. Dann leben sie wie hinter einer Mauer. »Effata!« kann heißen: Du musst nicht dahinter bleiben. Es gibt einen Weg zu anderen Menschen und ins Leben.

II. Gestaltungshinweise 

Liturgische Elemente
Lieder

Der Himmel geht über allen auf 
(KuS 300, KKL 111, MKL1 7, HuT 198);
Gib uns Ohren, die hören 
(KuS 496, KKL 251, Wwdl 42)

Gebete/Ritual 

Siehe hierzu »Zur ganzen Reihe«

Kreative Umsetzung der Geschichte
Schnurspur-Bild »Effata«

Material: dickere Schnur oder Kordel, Fingerfarbe oder flüssige Acrylfarbe, großes weißes Papier, Schalen für die Farben
1. Die Schnur wird durch Farbe gezogen.
2. Die Kinder legen oder ziehen die Schnur über das Blatt. Es entstehen Spuren, Schleifen, Knoten und Linien.
3. Nach dem Trocknen schreiben die Kinder aufs Blatt: Effata – öffne dich

Gespräch zu den Bildern:

III. Erzählung

& Erzählung für Ältere und Erzählung für Jüngere

Material: 1 große Kegelfigur, 4 kleinere Kegelfiguren, 2 Schnüre

Ein Mensch in Freiheit

Ein Mensch.
(Kleinere Kegelfigur in die Hand nehmen)
Er kann sich frei bewegen.
Er kann lachen.
Er kann spielen.
Er kann lernen.
Er kann traurig sein.
Er kann fröhlich sein.
Er hat manchmal Angst.
Und manchmal Mut.
So soll es sein.
Das alles kann ein Mensch, wenn er frei ist.

Die unsichtbaren Fesseln

Doch dieser Mensch ist nicht frei.
(Kegelfigur zeigen; anfangen, Schnur um sie zu wickeln)
Er ist gefesselt.
Gefangen. (Weiterwickeln)
Nein, das hat ihm niemand angetan.
Diese Fesseln hat er sich selbst angelegt.
(Weiterwickeln)
Und er hat es nicht einmal bemerkt.
(Kegelfigur hinstellen)

Freunde bleiben trotzdem

Aber seine Freunde merken es.
Jeden Tag.
(die drei anderen kleineren Kegelfiguren mit etwas Abstand dazustellen)
Sie kommen nicht mehr an ihren Freund heran.
(Um eingewickelte Kegelfigur mit zweiter Schnur einen Kreis legen)
Mit ihm lachen – geht nicht mehr.
Mit ihm weinen – geht nicht mehr.
Mit ihm spielen – geht nicht mehr.
Mit ihm reden – geht nicht mehr.
Ihm zuhören – geht nicht mehr. 
Er redet immer weniger mit ihnen.
Eigentlich ist es ein Wunder, dass er überhaupt noch Freunde hat.
Dass sie nicht längst gegangen sind.
Aber sie bleiben.
Denn sie glauben fest daran, dass ihr Freund eines Tages wieder frei sein wird.

Alleine kommt er nicht heraus

Die Freunde warten.
Einen Tag.
Eine Woche.
Viele Wochen.
Manchmal rufen sie:
»Komm doch heraus!«
Aber er hört sie kaum noch.
Zu sehr ist er in sich verknotet.
Selbst wenn er herauskommen will 
– er kann es nicht.
Die Schnüre sind zu stark geworden.
Sie halten ihn nicht nur fest,
sie machen auch sein Herz zu,
seine Ohren zu,
seinen Mund zu.
Immer weniger hört er auf seine Freunde.
Immer weniger hat er ihnen zu sagen.
Als er das merkt, wird ihm klar:
»Alleine schaffe ich das nicht.«

Die Freunde bringen ihn zu Jesus

Zum Glück halten seine Freunde zu ihm.
Und sie haben von einem gehört.
Von dem, der Menschen hilft.
Von dem, der Menschen frei macht. 
Von Jesus.
(Große Kegelfigur dazustellen)
»Vielleicht kann Jesus helfen!«, sagt einer der Freunde.
»Dann bringen wir ihn jetzt zu Jesus!«, sagt ein anderer.
Das ist gar nicht leicht.
Die Schnüre sind im Weg.
Der Kreis ist im Weg.
Die Angst ist im Weg.
Aber die Freunde geben nicht auf.
(Schnurkreis zusammen mit der eingewickelten Kegelfigur und den Freunden zu Jesus schieben)
Endlich stehen sie vor Jesus.

Jesus sieht den Menschen

Die Freunde reden durcheinander:
»Jesus, hilf ihm!«
»Bitte, leg ihm die Hand auf!«
»Mach ihn wieder frei!«
Jesus schaut ihren Freund an. 
Und er sieht nicht zuerst die Schnüre.
Nicht zuerst die Probleme.
Er sieht den Menschen.
Er sieht ihn.
Dann nimmt Jesus ihn beiseite.
(zuerst Jesusfigur, dann eingewickelte Figur samt Schnurkreis etwas abseits stellen)
Weg von den vielen Menschen.
Weg vom Lärm.
Denn Jesus weiß:
Dieser Mensch braucht keine Zuschauer.
Dieser Mensch braucht Hilfe.

Effata – Öffne dich!

Jetzt geht es nur um Jesus und diesen Menschen. Jesus schaut ihn an.
Er legt ihm die Hände auf die Schultern.
Dann blickt er zum Himmel.
Jesus weiß: Gott kann öffnen, was verschlossen ist.
Dann sagt Jesus ein einziges Wort:
»Effata.«
Das bedeutet: »Öffne dich.« (Pause)
Öffne deine Ohren.
Hör wieder auf die Menschen, die dich liebhaben.
(Schnur anfangen aufzuwickeln)
Öffne dein Herz.
Lass die Freude wieder hinein.
(weiter aufwickeln)
Öffne deinen Mund.
Rede wieder mit deinen Freunden.
(Kegelfigur ganz von Schnur befreien)
Öffne dein Leben.
Komm wieder heraus.
(Schnurkreis entfernen)

Wieder frei

Und plötzlich ist da kein Kreis mehr.
Keine Mauer.
Kein Gefängnis.
Der Mensch hört.
Der Mensch redet.
Der Mensch lacht.
Der Mensch weint.
Der Mensch lebt.
Er ist wieder offen.
Für seine Freunde.
Für die Welt.
Für Gott.
Zum ersten Mal seit langer Zeit kann er wieder gehen, wohin er will.
(Befreite Kegelfigur zu den drei Freunden stellen)
Mit seinen Freunden reden.
Mit ihnen lachen.
Mit ihnen weinen.
Mit ihnen spielen.
Er ist frei.
Die Freunde haben recht behalten.
Sie haben ihren Freund nicht aufgegeben.
Und Jesus hat ihn wieder für das Leben geöffnet.

Der besondere Tipp:

Kordeln in fünf verschiedene Farben
Legematerial

Nicht nur in der Geschichte von der Heilung des Gehörlosen sind Kordeln ein aussagekräftiges und eindrückliches Mittel, um das Erzählte zu unterstreichen.

Acryl, je 5 m, je Kordel € 3,20
gelb, Best.-Nr.: 1232
blau, Best.-Nr.: 1230
rot, Best.-Nr.: 1231
grün, Best.-Nr.: 1233
Baumwolle, 10 m, € 6,50
natur, Best.-Nr.: 486



Figurenkegel in verschiedenen Größen
Legematerial

Vier Kegelgrößen aus Buchenholz, die angemalt oder mit Stoff, Papier, Chenilledraht bekleidet werden können. Von links nach rechts:

groß, 10 cm, 10er-Set, € 13,90, Best.-Nr.: 1208
mittel, 7 cm, 10er-Set, € 10,70, Best.-Nr.: 472
XXL, 16,5 cm, einzeln, € 5,30, Best.-Nr.: 1454
klein, 5 cm, 10er-Set, € 6,40, Best.-Nr.: 471



Filzsstreifen
Legematerial 

Das Set enthält sechs Farben mit jeweils 
4 Streifen in den Maßen 28 x 15 cm. 

€ 15,10; Best.-Nr. 1685

junge-gemeinde.de

Jeremia 10,1–16

I. Grundgedanken

Zugänge für den ­Vorbereitungskreis
Zum Text / Zum Thema
Die Kinder und der Text / das Thema

II. Gestaltungshinweise 

Liturgische Elemente
Lieder

Du hast uns deine Welt geschenkt
(KuS 631, KKL 46, HuT 281);
Gott gab uns Atem (EG 432,KuS 518);
Segne, Vater, tausend Sterne 
(KuS 182, KKL 281, EGplus 39);
Er hält die ganze Welt in seiner Hand 
(KuS 610, KKL 324, MKL1 45)

Psalm (Psalm 1 i. A.)

Das gemeinsame Sprechen des Kehrverses lässt sich mit folgender Körperübung verbinden:
Stell dich ruhig hin. Du stehst mit beiden Beinen fest auf dem Boden. 
Auch ein Baum steht auf der Erde. Er ist tief verwurzelt. Das macht ihn stabil.
Nun stellst du den rechten Fuß auf den linken (oder andersherum). Schau, dass du das Gleichgewicht hältst und fest stehst.
Jetzt platzierst du den Fuß an der Seite des Unterschenkels oder Oberschenkels. Der Baum steht weiter gerade und fest. 
Schaffst du es, nun die Arme hoch über den Kopf zu heben? Sie können leicht hin und her schwingen, so wie der Baum sich im Wind leicht hin- und herbewegt.
Führe nun die Hände über dem Kopf zusammen. Der Baum trägt die Baumkrone.
Kehrvers: Wer sich auf Gott verlässt, ist wie ein Baum am Wasser.

Freuen können sich die Menschen, 
die sich an Gottes Gebote halten!
Denen Gottes Worte so wichtig sind,
dass sie immer wieder darüber nachdenken!
Kehrvers: Wer sich auf Gott verlässt, ist wie ein Baum am Wasser.

Freuen können sich die Menschen, 
die Gottes Weisungen in ihrem Herzen bewegen.
Sie haben starke Wurzeln, sie bringen gute Frucht.
Was diese Menschen auch tun, es gelingt ihnen!
Gott begleitet sie auf ihren Wegen!
Kehrvers: Wer sich auf Gott verlässt, ist wie ein Baum am Wasser. Amen.
(Aus: Dir kann ich alles sagen, Gott. Psalmenübertragungen nicht nur für Kinder, Düsseldorf 2024, 10)

Segen (mit Bewegungen)

Gott sei über euch wie die Sonne 
(mit Armen einen großen Kreis machen).
Gott sei um euch wie der Wind
(Hände wie Trichter um Mund legen pusten).
Gott sei unter euch
(mit beiden Beinen aufstampfen, fest stehen),
Gott sei in euch, in eurem Herzen
(Hände auf Herz legen).
Amen.

Kreative Umsetzung der Geschichte
Kim-Spiel

Im Zusammenhang mit dem Text eignet sich der Schwerpunkt »Fühlen« (aus einer Mischung aus Alltagsgegenständen und »natürlichen Dingen« wie Pflanzen, Nahrungsmittel).
Die Kinder, die an der Reihe sind, haben die Augen geschlossen oder verbunden (alternativ: Fühlprobe in einem Beutel). Stück für Stück werden ihnen Fühlproben gereicht. Die Kinder versuchen, diese zu erkennen und zu benennen. 

III. Erzählung

Erzählung für Jüngere

Der Holzmann

Angst im Dorf

Es war einmal ein Dorf. Hier lebten viele Menschen. Kleine und große.
An manchen Tagen war die Welt in Ordnung. Und es ging allen gut.
Aber manchmal waren die Menschen unsicher. Und hatten Angst.
Zum Beispiel, wenn es draußen sehr laut stürmte.
Wenn der Wind durch das Dorf fegte und die Blätter vor sich hertrieb.
Wenn die Bäume sich bogen und laut knarzten.
Dann versteckten die Menschen sich in ihren Häusern.
In den Betten, unter den Tischen.
Und zitterten vor Angst.
Eines Tages kamen sie auf eine Idee:
»Wir brauchen jemanden, der uns beschützt und bei uns ist! Der uns nicht alleine lässt.«
Sie nahmen ein Stück Holz und schnitzten es glatt. Sie malten ein Gesicht darauf. Und stellten das Holz mitten auf den Dorfplatz.

Der Holzmann

Der Holzmann stand da. Tag und Nacht. Bei Wind und Regen, bei Sturm und bei Sonnenschein.
Eines Nachmittags kam ein Kind vorbei.
Es blieb stehen und schaute den Holzmann lange an.
Das Kind klopfte vorsichtig an das Holz.
Tok, tok. Der Holzmann sagte nichts.
»Vielleicht schläft er?«, dachte das Kind.
Und so setzte es sich daneben und wartete.
Und wartete.
Aber der Holzmann blieb still.
Dann stand das Kind auf und ging weiter.
Hinaus aus dem Dorf.
Draußen bewegten sich die Bäume.
Der Wind spielte mit den Blättern.
Ein Käfer krabbelte über den Weg.
Irgendwo zwitscherte ein Vogel.
Das Kind blieb stehen. 
Die Sonne wärmte sein Gesicht. 
Es atmete tief ein.
Auf dem Weg nach Hause kam das Kind wieder am Holzmann vorbei. 
Der Holzmann stand da, still und stumm.
Das Kind blieb stehen und legte seine Hand auf das Holz.
Der Holzmann fühlte sich kalt und glatt an.

Er lebt nicht!

Am Abend erzählte das Kind nichts Großes. Es sagte nur: »Der Holzmann ist schön, aber er lebt nicht. 
Doch draußen, da ist es lebendig.
Der Himmel, die Wolken, die Sonne.
Die Tiere und Pflanzen. Wir selbst.
Und Gott ist mitten unter uns.«
Eine ganze Weile sagte niemand etwas.

Impulsfragen (mit dem Mimewürfel)

Mit den jüngeren Kindern kann der Mimewürfel einfach untereinander zugeworfen werden. Die Kinder suchen eine passende Emotion zu dem aus, was sie sagen möchten. Anschließend werfen sie den Würfel einem anderen Kind zu.

Der besondere Tipp:

Gott ist bei mir
30 Psalmen für Kita und Kirche mit Kindern

  • 30 Psalmen, teilweise neu und für Kinder verständlich formuliert
  • 30 methodische Anregungen, den Psalmen nachzuspüren
  • Kehrverse zum Teil mit Notensätzen zum gemeinsamen Singen
  • Unterteilung in vier Themen: 1. Gott – Schöpfer der Welt, 2. Gott – meine Zuversicht, 3. Gott – verborgen und doch da, 4. Gott – Begleiter durch Jahr und Zeit. Für Kinder ab 4 Jahren. 

€ 17,00; Best.-Nr.: 9044

Gott ist wie …
Mit den Kleinsten das Allergrößte entdecken

»Wie sieht Gott denn aus?«, eine schwierige Kinderfrage, auf die dieses Buch mit einprägsamen, lebensnahen und undogmatischen Bildern von den Eigenschaften Gottes erzählt und so Antworten sucht.

€ 16,00; Best.-Nr.: 3841

junge-gemeinde.de

Erzählung für Ältere

Die Uhrmacherin und der Sternenplan

Mira, die Uhrmacherin

In der Stadt Luv lebte Mira, eine junge Uhrmacherin. 
Schon als Kind liebte sie es, Zahnräder, Federn und kleine Metallteile zusammenzufügen. Aus ihnen baute sie winzige, tickende Wunderwerke, die klingelten, sich bewegten und manchmal sogar Figuren tanzen ließen.

Rhythmus und Ordnung

Eines Tages, als Mira auf dem Hügel am Rand der Stadt stand und hinunter schaute, fiel ihr etwas auf: Alles lief nach einem eigenen Rhythmus: Die Sonne ging jeden Morgen auf und jeden Abend wieder unter. Der Fluss floss unten an der Stadt vorbei. Die Bäume bewegten sich sanft im Wind. »Wenn ich doch nur alles selbst ordnen könnte«, dachte Mira. »Dann bräuchte sich niemand mehr Sorgen machen. Wir wären sicher!«

Ein großes Projekt

So begann Mira ein großes Projekt: eine Uhr, die größer war als jedes Haus in Luv. Mit unzähligen Zahnrädern, Federn und Zeigern. Viele Menschen halfen mit: Sie brachten Mira glänzende Metalle oder bunte Glassteine. Und Mira arbeitete Tag und Nacht. Die Uhr wurde groß und größer. Und schon bald hörte man ihr lautes Ticken in den Straßen von Luv. Die Bewohner*innen der Stadt staunten: »So etwas hat es hier noch nie gegeben!«

Alles war perfekt

Als Mira ihr großes Projekt beendet hatte, waren alle neugierig. Viele Menschen standen vor der riesigen Uhr. Sie waren neugierig. Auch Mira war gespannt. Mit zitternden Händen drehte sie den Schlüssel um … und die Uhr begann zu laufen. Die Zeiger bewegten sich, kleine Figuren tanzten, Glöckchen klingelten. Alles war perfekt!
Die Menschen von Luv standen dort, staunten und applaudierten. Mira fühlte sich stolz. »Sie läuft«, dachte sie. »Jetzt kann uns nichts mehr passieren. Alles läuft wie dieses Uhrwerk.«
Doch mitten in der Nacht wurde Mira wach. Der Wind rüttelte an ihren Fensterläden. Die Bäume bogen sich vom Wind, der laut durch die Straßen pfiff. Der Sturm peitschte den Fluss vor sich her. Auch die Uhr tickte. Das Uhrwerk klackerte hörbar. Es funktionierte alles. »Wie kann das sein?«, fragte sich Mira.

Gott hat alles gemacht

Am nächsten Morgen ging Mira hinaus auf den Hügel. Der Sturm war vorbei, die Vögel zwitscherten, der Fluss floss gemächlich am Städtchen vor. Die Natur war lebendig, unvorhersehbar und wunderschön. 
Langsam begriff Mira: »Ich kann das Leben nicht kontrollieren. Nicht mit meinen Uhren und auch mit sonst nichts. Alles, was lebt, kommt von Gott. Er hat das alles gemacht.«

Die Welt lebendig halten

Mira blieb lange auf ihrem Hügel sitzen. Sie beobachtete die Kinder, die am Fluss spielten, die Vögel in der Luft, die Blätter im Wind. 
Die Uhr stand immer noch an ihrem Platz, beeindruckend und groß, aber jetzt sah Mira sie mit anderen Augen: »Sie ist mein Werk, und sie ist ein schönes Werk. Aber sie ist nicht lebendig. Gott allein ist es, der die Welt lebendig hält.«
Am Abend ging sie zurück ins Dorf, ohne große Worte. Stattdessen führte sie die Kinder hinaus auf die Felder. Sie zeigte ihnen den Fluss, die Bäume, die Tiere. »Schaut genau hin«, sagte sie. »Es gibt Dinge, die wir machen und herstellen können. Und es gibt Dinge, die wir nur erleben können. Alles, was lebt, gehört Gott. Wir können es bewundern, wir können staunen – aber wir können es nicht machen.«

Impulsfragen

Mit den älteren Kindern lässt sich der Mimewürfel auch wie folgt einsetzen:
Nach der Geschichte wird der Mimewürfel herumgereicht. Wer mag, würfelt, schaut sich die Emotion an und wählt eine Stelle in der Geschichte aus, zu der das Gefühl passt. 
Oder das Kind würfelt so, dass es die anderen nicht sehen, stellt dann das Gefühl pantomimisch dar, und alle anderen raten das Gefühl. 

Der besondere Tipp:

Jonglierbälle
3er-Set mit Beutel

Jeremia spricht von einem Neuanfang, der immer möglich ist, und macht den Menschen Mut. Das ist der erste Schriftt zu fröhlichem Lachen und fröhlichem Spiel – wie mit diesen lustigen Jonglierbällen.

Der Aufbewahrungsbeutel ist mit dem VJG-Fisch und »Kirche für Kinder« bedruckt.

€ 5,20 (ab 10 Ex. je € 4,80); Best.-Nr.: 337

junge-gemeinde.de

Jeremia 31,31–34

I. Grundgedanken

Zugänge für den ­Vorbereitungskreis
Zum Text / Zum Thema
Die Kinder und der Text / das Thema

II. Gestaltungshinweise 

Liturgische Elemente
Lieder

Ich lobe meinen Gott (EG 272, KuS 312, KKL 173);
Schenke mir, Gott 
(KKL 255, Wwdl 190, EGplus 140);
Vom Anfang bis zum Ende (KuS 196, KKL 315);
Erleuchte und bewege uns 
(KKL 263, HuT 212, EGplus 77);

Segenslied zum Abschluss: Ade, Adieu mit Gott (KKL 261, LHE 76; dieses wunderschöne Segenslied kann als Segensritual mit Bewegungen eingeführt werden. Die Kinder bilden einen Außen- und einen Innenkreis, sie halten sich an den Händen und gehen während des Singens im Rhythmus in entgegengesetzte Richtungen.)

Fürbittengebet (interaktiv) 

Jedes Kind bekommt ein aus Papier ausgeschnittenes, rotes Herz. Es überlegt für sich, worum es Gott bitten möchte. 
Wichtig: Niemand muss etwas laut sagen; die Bitte(n) können auch im Stillen formuliert und das Herz in der gemeinsamen Runde in die Mitte gelegt werden.
»Jeremia erzählt, dass Gott seine Liebe direkt in unser Herz schreibt. Beim Fürbittengebet wollen wir Gott unsere Gedanken, Sorgen und Wünsche sagen. Einfach alles, was wir auf dem Herzen haben.«
Den Abschluss bildet das gemeinsame Vaterunser.

Kreative Umsetzung der Geschichte
Bund-Armband – Gottes Begleitung spürbar und sichtbar machen

Die Kinder erfahren: Gott ist immer bei mir. Auch wenn ich Fehler mache oder Dinge schieflaufen, kann ich mich auf Gott verlassen.
Durch das Gestalten eines Bund-Armbandes wird das symbolisch sichtbar und erinnerbar. 
Material: Dünnes Gummiband oder Armbandschnur, Perlen in verschiedenen Farben und Formen, für jedes Kind 1 kleine Herzperle
Die unterschiedlichen Perlenfarben können (müssen nicht) mit einer besonderen Symbolik verbunden werden. So ist es den Kindern möglich, sich individuell zu entscheiden, was ihnen wichtig ist und mit welchen Themen und inhaltlichen Ankerpunkten sie ihr Armband gestalten möchten.

III. Erzählung

Erzählung für Jüngere

Noam und das Geheimnis im Herzen

Die Steintafel

Noam lebte in einem kleinen Dorf, in dem die Häuser dicht beieinanderstanden. Morgens weckte ihn oft das Rufen der Händler. Abends wurde alles so still, als würde das Dorf den Atem anhalten. Eines Tages saß Noam im Unterricht vor einer schweren Steintafel. In sie waren Worte geritzt, alt und wichtig. Noams Lehrer sagte: »Diese Worte sind wichtig. Es sind die Gesetze, die Gott uns vor langer, langer Zeit gegeben hat. Damals, als er unsere Vorfahren aus Ägypten herausgeführt hat.« Noam fuhr mit dem Finger über den Stein. Er war kühl, fast kalt.
Die Worte waren richtig, das wusste Noam. Und doch fühlten sie sich weit weg an. Wie etwas, das nichts mit ihm zu tun hat.

Worte im Herzen

Am Abend ging Noam mit seiner Oma langsam durch die schmalen Gassen. Der Himmel färbte sich dunkelblau.
»Oma«, fragte Noam, »bleiben Gottes Worte immer auf Stein?« 

Die Oma blieb stehen. »Jeremia, ein Mann Gottes, hat zu deiner Frage mit ›Nein‹ geantwortet«, sagte sie. »Gott hat versprochen, einen neuen Bund zu schließen. Nicht wie den alten, als er das Volk aus Ägypten führte.« Jetzt wurde es interessant! Noam spitzte die Ohren und hörte genau zu. »Dieser neue Bund ist anders«, sagte die Oma. »Gott will seine Worte nicht nur in den Stein schreiben. Er will, dass seine Worte in unseren Herzen sind.« Sie nahm Noams Hand und legte sie ihm auf seine Brust. Noam spürte seinen Herzschlag. Ganz gleichmäßig schlug sein Herz. »Wenn etwas im Herzen angekommen ist, dann weiß man, was gut ist«, flüsterte er. Die Oma nickte.

Der neue Bund im Herzen

In den nächsten Tagen dachte Noam oft an sein Gespräch mit Oma. Und er fragte sich: »Wie fühlt es sich an, wenn dieser neue Bund in meinem Herzen ist? Ist er vielleicht schon da? Auch bei mir? Wie merke ich das?«
Eines Nachmittags spielte Noam mit anderen Kindern. Sie hatten Spaß miteinander. Es wurde gelacht. Plötzlich stand ein Junge am Rand. Er sagte nichts. Er beobachtete nur. Noam sah den Jungen an. Noam wusste nicht, was er tun sollte. Dann erinnerte er sich an das Gespräch mit seiner Oma. An die Hand auf seiner Brust. An das ruhige Klopfen seines Herzens. 
Da machte Noam einen kleinen Schritt auf den Jungen zu. Und noch einen. Der Junge schaute Noam an und kam ebenfalls ein Stückchen näher. So lange, bis sie ganz nah beieinander standen. Keiner von ihnen sagte etwas. Sie schauten sich an. Und lächelten.

Er beginnt leise

Am Abend sagte Noam zu seiner Oma: »Heute war etwas anders.« Die Oma lächelte, als wüsste sie Bescheid. »Der neue Bund«, sagte sie leise, »macht kein großes Geräusch. Er beginnt leise, in dir drin.«

Als Noam sich schlafen legte, war er glücklich und zufrieden. Er legte eine Hand auf sein Herz. Warm war es dort.

Erzählung für Ältere

Sprechzeichnen: Bei dieser Methode wird der biblische Text mit unterschiedlichen Sinneswahrnehmungen verknüpft und prägt sich auf diese Weise besonders ein. Der Text wird gesprochen, gehört und gesehen. Während der Text nach und nach erzählt wird, entstehen auf einem großen Papierbogen einfache Zeichnungen und Symbole dazu. 
Wichtig: Beim Sprechzeichnen geht es nicht darum, besonders schön zu malen, sondern Gedanken sichtbar zu machen, durch einfache Bilder die Vorstellungskraft zu unterstützen und so die Botschaft des Textes gut erfassen zu können. Es hilft, in der Vorbereitung den Text laut zu sprechen und die Symbole dazu zu zeichnen.
Material: Großer Bogen weißes Papier; dicken, schwarzen Filzmarker

Das ist Jeremia. Er ist ein Prophet, ein Mann Gottes. Er spricht zu den Menschen und erzählt ihnen, was Gott mit seinem Volk vorhat, wie die Zukunft aussieht.

Jeremia sagt: 
»Gott hat etwas ganz Neues mit Euch vor, einen neuen Bund!« 

Dieser neue Bund ist nicht wie der alte. Nicht wie damals, als Gott sein Volk an der Hand nahm und aus Ägypten führte. Mose hatte das Meer geteilt und das Volk Israel aus Ägypten herausgeführt. 

Dann hatte Gott den Menschen die zehn Gebote gegeben, Regeln, nach denen sie leben sollten. Diese Regeln waren auf Steintafeln geschrieben.

Aber die Menschen hatten die Gebote immer wieder gebrochen und sich nicht an Gottes Regeln gehalten.

Deshalb sagt Jeremia: „Gott macht etwas Neues! Er möchte den Menschen näherkommen. Er schreibt die Gesetze nicht mehr auf Stein, sondern direkt in die Herzen der Menschen. Alle sollen spüren, was gut für sie ist. Tief in ihrem Inneren.

Und Jeremia sagt noch etwas: »Alles was früher schiefgelaufen ist, ist nicht mehr wichtig für Gott. 

Gott möchte gemeinsam mit den Menschen nach vorne schauen!

Das ist der neue Bund. Gott ist an euerer Seite, in euren Herzen. Er verlässt euch nicht!«

Zeichnungen: Lisa Krengel

Jeremia 32,6–15

I. Grundgedanken

Zugänge für den ­Vorbereitungskreis
Zum Text / Zum Thema
Die Kinder und der Text / das Thema

II. Gestaltungshinweise 

Liturgische Elemente
Lieder

Meine Hoffnung und meine Freude 
(KuS 230, EGplus 109, Wwdl 180, HuT 134);
Das wünsch ich sehr 
(KuS 410, KKL 33, HuT 315, EGplus 104, MKL1 5);
Du bist da, wo Menschen leben 
(KuS 476, KKL 344, HuT 343);
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht(KuS 246, KKL 139, Wwdl 147, HuT 154)

Hoffnungssegen (im Kreis, mit Bewegungen)

Gott segne dein Herz mit Hoffnung
(Hände aufs Herz legen).
Gott segne deine Hände für mutiges Handeln
(alle reichen einander die Hände).
Gott segne deine Schritte in Richtung Zukunft (am Platz gehen). Amen.

Kreative Umsetzung der Geschichte
Felder der Hoffnung

Auch jüngere Kinder verstehen bereits: Auch wenn wir noch nichts sehen, Gott kann Neues wachsen lassen.
Material: Kleiner Blumentopf oder Joghurtbecher (zum Ablaufen des Wassers unten kleine Löcher hinein pieksen), Untersetzer, Erde, schnell wachsende Samen (Kresse, Sonnenblumen …), Holzstäbchen (z. B. Eisstiele), Stifte
Die Kinder füllen ihre Töpfe mit Erde. Wenn kleine Blumentöpfe verwendet werden, bietet es sich an, diese auch kreativ gestalten zu lassen (z. B. mit Fingerfarbe, Filzstifte o. Ä.). Anschließend legen die Kinder die Samen in die Erde und gießen das »Hoffnungsfeld«.
In einem nächsten Schritt überlegen sie, was ihnen Hoffnung macht (Freund*innen, Familie, Sonne …) und bemalen/beschriften damit die Holzstäbchen. Diese werden dann zu den Samen in die Erde gesteckt.

Urkunde der Hoffnung (für ältere Kinder) 

Vor dem Hintergrund der Erzählung wird deutlich: Hoffnung kann der Realität entgegenstehen oder ihr sogar widersprechen. Hoffnung zeigt sich dann womöglich in Entscheidungen und bewusstem Handeln. 
Material: Braunes Papier (Packpapier, evtl. kann weißes Papier durch Zerknittern und mit Erde »auf alt« getrimmt werden), der Rand wird gerissen, mit Hilfe von Erwachsenen evtl. vorsichtig Brandstellen hinzufügen), Schraubgläser mit Deckel, Stifte, evtl. sogar Federkiele, flüssige Tinte (optional: Löschpapier), Schnur, Aufkleber, Siegelstempel, Siegellack

Die Kinder gestalten ihre eigene Urkunde. Impulsfragen hierzu könnten sein: 

Die Urkunden werden dann gefaltet und versiegelt. Tipp: Früher wurden Briefe und wichtige Dokumente mit einem Siegel verschlossen, damit niemand Unbefugtes den Inhalt lesen konnte. Das Anbringen eines Siegels ist etwas Besonderes für Kinder. 
Hinweis: Siegellack kann sehr heiß werden. Kinder benötigen auf jeden Fall Anleitung und/oder Hilfe.
Zum Schluss können die Urkunden – ähnlich wie bei Jeremia – noch in ein Gefäß (Schraubglas mit Deckel) gegeben werden.

III. Erzählung

Erzählung für Jüngere

Jeremia und das Feld der Hoffnung

Angst in Jerusalem

Jeremia lebt in einer schweren Zeit.In der Stadt Jerusalem haben die Menschen große Angst, denn vor den Toren der Stadt stehen feindliche Soldaten. Sie wollen die Stadt erobern. In der Stadt weiß niemand, wie es weitergeht. Einige sagen: »Die Soldaten werden unsere Stadt dem Erdboden gleichmachen. Kein Stein wird mehr auf dem anderen sein. Es gibt keine Hoffnung mehr! Wie soll es bloß weitergehen?!«
Jeremia hört diese Worte jeden Tag. Er selbst ist auch traurig und müde. Er ist in einem Hof beim Palast eingeschlossen. Von dort aus schaut er auf die Stadt und auf die Felder draußen vor den Mauern. Aber Jeremia weiß: Gott ist da! Er ist lässt seine Menschen nicht allein.

Gott spricht

Eines Tages spricht Gott zu Jeremia. Gott sagt: »Jeremia, dein Cousin Hanamel kommt bald zu dir. Er bittet dich, sein Feld zu kaufen. Mach das. Kaufe sein Feld!« Jeremia wundert sich. »Ein Feld kaufen – jetzt?«, denkt er. »Die Feinde kommen näher. Bald gehört das Land dann jemand anderem. Wieso soll ich jetzt ein Stück Land kaufen?« Aber Jeremia vertraut Gott. Gott wird wissen, was richtig ist.

Jeremia kauft ein Feld

Kurze Zeit später kommt Hanamel wirklich zu Jeremia. Er wirkt besorgt.
»Jeremia«, sagt er, »willst du mein Feld kaufen? Es steht dir zu.« Da weiß Jeremia: Gott ist da. Er hält sein Versprechen, bei den Menschen zu sein. Und so kauft Jeremia das Feld. Er zählt das Silber sorgfältig ab. Er schreibt alles genau auf und lässt die Kaufpapiere gut aufbewahren, damit sie lange erhalten bleiben.
Die Menschen in Jerusalem schauen verwundert zu. Manche schütteln den Kopf.
»Warum kaufst du ein Feld? Das ist doch kompletter Blödsinn«, sagen sie. »Bald ist doch alles verloren. Dann gehören Felder und Äcker einem anderen Volk.« Jeremia antwortet ganz ruhig: »Ich kaufe dieses Feld, weil Gott es so gesagt hat.«
Und wieder spricht Gott zu Jeremia. Gott sagt: »Es kommt wieder eine gute Zeit. Darauf könnt ihr euch verlassen. Die Menschen werden neue Häuser bauen und ihre Felder bestellen. Sie werden den Samen in die Erde legen und die Pflanzen werden wachsen. Das Leben wird neu beginnen.«

Gott hält sein Versprechen

Jeremia schaut auf das Feld. Jetzt sieht er nur Erde. Einen leeren Acker. Aber er ist sich sicher: Gott wird sein Versprechen halten. Eines Tages werden hier wieder Pflanzen und Blumen wachsen. Menschen werden lachen und sich freuen. Dieses Feld ist ein Zeichen der Hoffnung. Gott zeigt den Menschen: »Habt keine Angst. Ich bin bei euch. Auch in schweren Zeiten. Und ich verspreche euch: Es wird besser werden. Darauf könnt ihr euch verlassen!

Erzählung für Ältere

Ich bin ein Hoffnungspapier

Ich liege noch leer da. Völlig unbeschrieben. Ein unbeschriebenes Stück Pergament.
Neben mir sind eine Feder, ein Tintenfass und ein kleines Gewicht aus Metall.
Draußen höre ich Stimmen. Schritte. Unruhe.
Die Stadt Jerusalem ist belagert. 
Die Menschen wissen: Diese Zeit ist gefährlich. Brandgefährlich.
Viele sind nur damit beschäftigt, den Tag gut rumzukriegen.
An morgen oder übermorgen ist überhaupt nicht zu denken.
Da setzt sich ein Schreiber an den Tisch.
Und Jeremia steht neben ihm.
Jeremia ist nicht frei. Er sitzt fest. Im Palast.
Eigentlich sollte Jeremia jetzt schweigen.
Aber er tut etwas anderes.
Die Feder berührt mich. Buchstabe für Buchstabe entstehen Worte.
Ein Name: Jeremia.
Ein anderer Name: Hanamel.
Ein Ort: Anatot. Ein Feld. Ein Acker.
Ich staune.
Ein Feld? Jetzt?
Ich höre, wie jemand leise fragt: »Warum wird das aufgeschrieben? Warum so genau?«
Jeremia antwortet nicht sofort.
Er zählt Silber ab. Siebzehn Schekel.
Nicht ungefähr. Ganz genau.
Zeugen kommen dazu. Sie schauen genau hin. Sie überprüfen alles.
Sie hören zu. Alles ist öffentlich.
Niemand soll später sagen: »Der Kauf war nicht ernst gemeint.«
Ich werde beschrieben, bestätigt, versiegelt – während draußen die Stadt um ihr Überleben kämpft.
Ich bin ein Kaufvertrag.
Aber ich bin auch eine Frage.
Denn Jeremia hat selbst gesagt: Die Stadt wird fallen. Das Land wird verloren gehen. Die Babylonier werden alles nehmen, was sie kriegen können.
Warum also gibt es mich? Warum ein Ackerkauf? Jetzt?
Dann höre ich Jeremias Stimme. Ruhig, fest, ohne Hast: »So spricht der Herr: ›Häuser, Felder und Weinberge werden wieder gekauft in diesem Land. Nicht heute. Nicht morgen. Aber irgendwann.‹«
Jetzt verstehe ich: Ich bin nicht für diese Zeit geschrieben.
Jeremia nimmt mich in die Hand. Er betrachtet mich, als wüsste er, dass er mich selbst vielleicht nie brauchen wird.
Dann sagt er: »Legt dieses Dokument in ein Tongefäß. Es soll lange erhalten bleiben.« 

––– Lange.––– 

Das Tongefäß ist dunkel. Still.
Ich höre nichts mehr. Ich sehe nichts mehr. Die Zeit vergeht.
Vielleicht Jahre. Vielleicht länger.
Niemand liest meine Worte.
Niemand braucht mich.
Aber ich bin da. Ich warte.
Und bewahre eine Zusage.
Ich erzähle, ohne zu sprechen: »Gott gibt sein Volk nicht auf. Auch wenn alles dagegenspricht. Ich bin ein Hoffnungspapier. Gott bleibt treu. Er bleibt an der Seite seiner Menschen.«
Letztlich wird alles gut werden.
Das hat Gott versprochen.
Darauf können sich alle verlassen.

Gespräch (nach der Erzählung)

Mögliche Impulsfragen:

Der besondere Tipp:

Viola M. Fromme-Seifert (Hg.)
Geschichten aus dem Alten Testament erleben
Spielstationen in der KITA

Schon die ganz Kleinen werden animiert zum Erzählen und freien Spiel. Die fertigen Erzählvorschläge werden visuell ausgebaut mit Material, das in Kitas zum Alltag gehören dürfte. Für Kinder ab 1 Jahr. 

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Möglicher Prophet
Biegepuppe


Evtl. ist eine »Prophetenbiegepuppe« doch nicht im Repertoire der Einrichtung, dann könnte dieser »Jünger« aushelfen … 
12 cm groß

€ 9,70; Best.-Nr. 501

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Lukas 1,5–25

I. Grundgedanken

Zugänge für den ­Vorbereitungskreis
Zum Text / Zum Thema
Die Kinder und der Text / das Thema

II. Gestaltungshinweise 

Liturgische Elemente
Lieder

Macht hoch die Tür (EG 1, KuS 14, KKL 50);
Seht, die gute Zeit ist nah (EG 18, KuS 32, KKL 52);
Alle Knospen springen auf 
(KuS 36, HuT 10, MKL1 112, Str. 1+2);
Tragt in die Welt nun ein Licht 
(KuS 70, KKL 58, EGplus 81, MKL1 132)

Gebete 

Siehe »Liturgische Elemente zur ganzen Reihe

Kreative Umsetzung der Geschichte
»Macht hoch die Tür« (vor der Geschichte) 

Je zwei Kinder bilden einen Bogen (diese können sich absprechen, ob sie sich dabei an den Händen berühren oder nicht). Alle Bogenpaare stellen sich nebeneinander auf und bilden eine »Bogenreihe«. Während des Liedes geht das erste Paar von einer Seite durch die Bogenreihe bis ans Ende und stelltl sich dort wieder als Bogenpaar auf. Dann folgt das nächste Paar … 
Danach die Geschichte erzählen.

Nachspielen der Geschichte 

(nach der Geschichte) 
Hierfür stehen Verkleidungsutensilien für die Kinder bereit.

Erzählung

Für Jüngere: Die Erzählung kann frei oder mit biblischen Erzählfiguren erzählt werden. (Je eine Figur für Zacharias, Elisabeth, Engel; wenn vorhanden auch für Menschen außerhalb des Tempels.)
Für Ältere kann die Geschichte in verteilten Rollen gelesen/gespielt werden: Erzähler*in, Zacharias, Elisabeth, Noah, Engel Gabriel

Anschließendes Gespräch (Impulse)

Pantomime

Begriffe aus der Geschichte und allgemein zur Adventszeit werden pantomimisch dargestellt. Das Lied »Alle Knospen springen auf« kann mit Bewegungen begleitet werden und könnte zum Aufwärmen in Richtung Pantomime dienen.

Der besondere Tipp …

Engel
Biegepuppe, ca. 14 cm 

Engel spielen in der Weihnachtserzählung nach Lukas eine große Rolle. 
€ 9,70; Best.-Nr. 510

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III. Erzählung

Erzählung für Jüngere

Vorstellung Zacharias und Maria

Heute begleiten wir Zacharias. Zacharias ist Priester. Auch seine Frau Elisabeth kommt aus einer Priesterfamilie. Den beiden ist Gott sehr wichtig. Sie versuchen, so gut sie können, ihr Leben nach Gottes Geboten zu leben. Zacharias wünscht sich schon lange ein Kind. So oft hat er Gott gebeten, ihm ein Kind zu schenken. Aber jetzt sind Elisabeth und er schon alt. Und sie haben immer noch kein Kind. Es gibt Leute, die schauen deswegen herab auf Zacharias und Elisabeth. Besonders auf Elisabeth. Aber sie kann doch auch nichts dafür, dass die beiden kein Kind bekommen haben. Diese Blicke tun trotzdem weh. 

Begegnung im Tempel

Heute macht sich Zacharias auf den Weg zum Tempel. Dort hat er Tempeldienst. Es wird gelost, wer welche Aufgabe bekommt. Er wird dafür ausgelost, das Räucheropfer zu bereiten. Das ist eine besondere Ehre. Zacharias freut sich darüber. Außerhalb des Tempels beten viele Menschen. 
Zacharias ist im Tempel und bereitet das Rauchopfer vor. Auf den goldenen Altar legt er glühende Kohlen. Zacharias sagt: »Jetzt noch die wohlriechenden Gewürze, doch – huch! Wer steht denn da rechts neben dem Altar?« »Fürchte dich nicht, Zacharias«, spricht der Engel, »dein Gebet ist erhört worden. Elisabeth wird dir einen Sohn schenken. Dem sollst du den Namen Johannes geben. Du wirst dich freuen und jubeln. Ja, viele werden sich über seine Geburt freuen. Der Herr hat ihn zu Großem bestimmt.« Zacharias kann gar nicht mehr zuhören. Nach all den Jahren. Nach all den Gebeten. Jetzt plötzlich das? Ein Engel, der ihm einen Sohn ankündigt? So lange hatte es so weh getan, wie sehr er sich ein Kind gewünscht hat. Und jetzt soll es doch noch in Erfüllung gehen? »Woran kann ich erkennen, dass es so kommt? Ich bin doch schon alt. Und auch meine Frau ist schon alt«, fragt Zacharias den Engel. Und der Engel antwortet ihm: »Ich bin der Engel Gabriel. Ich bin von Gott geschickt. Gott hat mich geschickt, dass ich dir diese Freudenbotschaft überbringe.« 

Zacharias fehlen die Worte

»…« Zacharias bringt plötzlich kein Wort mehr heraus. Er spürt einen Kloß im Hals und dass sich da etwas eng anfühlt in seiner Brust. Er spürt, wie lange er sich schon so sehr ein Kind wünscht. Wie lange er schon versucht hat, diesen Wunsch loszuwerden. Und er spürt: Es geht jetzt erstmal nur Stück für Stück, das alles zu verstehen. »Zacharias, wo bleibst du denn?« Plötzlich hört er Stimmen von draußen. Er geht zu den vielen Menschen zurück. »…« – es kommt kein Wort aus seinem Mund. Es geht einfach nicht. Und schneller als er, scheinen die Leute zu verstehen: »Mit ihm muss wohl Gott geredet haben, oder es ist wohl ein Bote Gottes zu ihm gekommen.« – »Wie kann es sonst sein, dass Zacharias so verändert ist?« 

Rückkehr zu Elisabeth

Nach seinem Tempeldienst geht Zacharias wieder nach Hause zu Elisabeth. Es vergehen ein paar Wochen. Plötzlich kommt Elisabeth auf Zacharias zugestürmt, so schnell hat er sie seit Jahren nicht mehr laufen sehen. »Zacharias, Zacharias! Ich bin schwanger!« Sie strahlt vor Freude! Zacharias kann noch immer nichts sagen. Aber ganz langsam, Stück für Stück, zaubert sich ein Lächeln auf Zacharias‘ Gesicht. Ein ganz kleines. Nun lächeln sie beide. Elisabeth ist sich sicher: Dieses Kind, das kann nur von Gott kommen. Und jetzt wird es aufhören mit den stechenden Blicken der anderen. Aber dieses Wunder in ihrem Bauch, das will Elisabeth erst mal lange für sich behalten. Und Elisabeth geht fünf Monate nicht nach draußen.

Erzählung für Ältere

Auf dem Weg zum Tempel

Zacharias: Also tschüss, meine Liebe! Mach’s gut! Du weißt ja, der Tempel ruft!
Elisabeth: Ja, tschüss, mein Lieber. Ich weiß, der Tempel ruft, ich bin ja in einer Priesterfamilie aufgewachsen. Den
Satz kenne ich seit meiner Kindheit. Und die ist nun wirklich schon lange her. Also los jetzt. Ich freu mich darauf, wenn du wieder da bist. 
Zacharias: Ich mich auch!
(Winken sich noch einmal zu, dann geht Zacharias los; Elisabeth geht ab.)
Erzähler*in: Auf dem Weg zum Tempel denkt Zacharias laut vor sich hin.
Zacharias: Dann bin ich mal gespannt, für welchen Dienst ich heute ausgewählt werde.
Erzähler*in: Er kommt zum Tempel. Dort begrüßt ihn sein Freund Noah.
Noah: Hallo, mein Bester!
Zacharias: Hallo Noah!
Noah: Na, schon gehört? Du hast heute die ganz große Ehre. Du wurdest ausgelost, das Räucheropfer im Heiligtum darzubringen.
Zacharias: (überrascht) Wow! Das ist ja toll. Das mache ich natürlich gerne.

Begegnung im Tempel

Erzähler*in: Zacharias geht im Tempel in das Heiligtum. Dort bereitet er den goldenen Altar vor.
Zacharias: Uuuh, ist das heiß. Aber die Kohlen müssen auf den Altar. Denn dann … mmh … duften die Gewürze so wunderbar. Jetzt kann kann das Räuchern losgehen. (Erschrickt) Huch, wer bist du? Was machst du hier?
Gabriel: Fürchte dich nicht, Zacharias. Gott schickt mich zu dir. Damit hättest du doch auch ein bisschen rechnen können. Hier, im Tempel. Schließlich ist das doch alles hier für Gott.
Zacharias: Ja, schon, aber ich bin hier noch nie einem Engel begegnet. Obwohl ich schon alt bin und schon viele, viele Jahre hier im Tempel Dienste übernehmen 
Gabriel: Dein Gebet, Zacharias, ist erhört worden. Elisabeth wird einen Sohn zur Welt bringen. Dem sollst du den Namen Johannes geben. Du wirst dich freuen und jubeln. Ja, auch viele andere Menschen werden sich über die Geburt eures Sohnes freuen. Der Herr hat ihn nämlich zu Großem bestimmt. Johannes wird vielen Menschen von Gott erzählen. Und sie werden an Gott glauben. Johannes wird vom Herrn erzählen und ihm als Bote vorausgehen.
Erzähler*in: Zacharias hält sich die Stirn. Er kann gar nicht mehr richtig zuhören. Es wird ihm schwummrig. Kam das vom Rauchopfer? Was er hörte, klang zu schön, um wahr zu sein. Schon so lange hatten er und Elisabeth sich ein Kind gewünscht. Schon so lange hat er Gott darum gebeten. Doch nichts war passiert. Sie mussten die mitleidigen und überheblichen Blicke der anderen ertragen. Besonders Elisabeth. Als ob sie etwas dafür könnte. Jetzt waren sie alt. Zu alt. Es war einfach zu spät. Besser, das Thema einfach ruhen zu lassen. Doch was, wenn der Engel recht hatte?
Zacharias: (zweifelnd) Woran kann ich erkennen, dass es so kommt, wie du sagst? Ich brauche ein Zeichen! Ich meine … so lange haben wir gewartet … Alt bin ich darüber geworden, auch Elisabeth.
Gabriel: Ich bin der Engel Gabriel. Ich bin von Gott gesandt. Ich bin gesandt, um dir genau diese eine Botschaft zu verkünden: Ihr werdet einen Sohn bekommen.

Zacharias fehlen die Worte

Erzähler*in: Zacharias findet keine Worte mehr. So lange hatte er sich nach einem Kind gesehnt. So lange darauf gehofft. Es sich so sehr gewünscht, dass es wehgetan hatte. Bis er schließlich diese Sehnsucht in sich eingegraben hatte. Ganz tief innen. Und jetzt sollte sie sich doch noch erfüllen? 
Zacharias: »…«
Erzähler*in: Da hört Zacharias Menschen nach ihm rufen. Sie sind draußen und warten schon lange auf ihn, dass er aus dem Heiligtum wieder zu ihnen kommt. Zacharias geht zu ihnen. Noch immer bringt er kein Wort heraus. Doch die Menschen verstehen schnell. Sie sind sich einig: Er muss wohl eine Gottesbegegnung gehabt haben. 

Rückkehr zu Elisabeth

Erzähler*in: Als sein Tempeldienst vorbei ist, geht er nach Hause zu Elisabeth. Ein paar Wochen später kommt sie freudestrahlend auf ihn zu. Ihre Augen strahlen, wie schon lange nicht mehr. 
Elisabeth: Zacharias, du wirst es nicht glauben. Ich habe es selbst einige Zeit nicht glauben können. Aber: Ich bin schwanger! 
Erzähler*in: Es hat sich also erfüllt, was der Engel Gabriel angekündigt hatte. Elisabeth möchte dieses Wunder in ihrem Bauch gut beschützen. Die nächsten fünf Monate geht sie kaum nach draußen. Und auch in Zacharias fängt etwas an zu wachsen – wie Elisabeths Bauch: das Lachen und die Freude.

Lukas 1,26–38

I. Grundgedanken

Zugänge für den ­Vorbereitungskreis
Zum Text / Zum Thema
Die Kinder und der Text / das Thema

II. Gestaltungshinweise 

Liturgische Elemente
Lieder

Mary, did you know? (Autor Mark Lowry);
Seht, die gute Zeit ist nah (EG 18, KuS 32, KKL 52);
Alle Knospen springen auf 
(KuS 36, HuT 10, MKL1 112, Str. 1+2);
Tragt in die Welt nun ein Licht 
(KuS 70, KKL 58, EGplus 81, MKL1 132)

Gebete 

Siehe »Liturgische Elemente zur ganzen Reihe«, Seite 444

Kreative Umsetzung der Geschichte
Gesprächsimpuls  (nach der Geschichte)

Wann habt ihr das schon mal erlebt, dass euch jemand etwas zugetraut hat?

Mary, did you know?

Das Lied wird angehört. Ausgewählte Fragen werden mithilfe der älteren Kinder übersetzt und darüber ausgetauscht. Tipp: Der Text/die Fragen sollten für die Kinder sichtbar sein (ausgedruckter Text, auf Fotokarton größer gestaltet, Moderationskarten).

Spiel: Lobsessel

Anknüpfend an Marias Erfahrung, dass der Engel sie meint und Gott es ihr zutraut, seinen Sohn auf die Welt zu bringen, soll für die Kinder erfahrbar werden, wie gut es tut, etwas Schönes gesagt zu bekommen. 
Wer mag, setzt sich auf den Lobsessel in der Mitte des Stuhlkreises. Alle anderen sagen dem Kind etwas Wertschätzendes/Lobendes/Schönes über dieses Kind. Tipp: Das Team achtet darauf, dass ausschließlich positive Dinge zum Ausdruck gebracht werden. 

Nikolaustag

Den Kindern kann eine Karte mit einem wertschätzenden Satz/Spruch geschenkt werden. Auch über andere »Nikolausgeschenke« freuen sie sich. Verknüpft werden kann dies mit dem Vertrauen darauf, dass Gott nach uns Menschen schaut. Bischof Nikolaus hat auf die Not von Kindern geschaut (so erzählt man es über ihn) – und in dieser Tradition gibt es noch heute am Nikolaustag Geschenke für Kinder.

Der besondere Tipp …

24 x Advent 
Bildkartenset fürs Kamishibai-Erzähltheater

24 Geschichten und Ideen für die Adventszeit: 

  • Was hat es mit dem Adventskranz auf sich? 
  • Welche Bräuche gibt es im Advent? 
  • Kennst du den Nikolaus?
  • Wie sieht es im Advent bei dir zu Hause aus?

Mit Downloadcode für Arbeitsmaterial zum Malen und Basteln (von z. B. kleinen Weihnachtsgeschenken). 15 Bildkarten, Illustriert von Petra Lefin

€ 20,00; Best.-Nr. 34271

junge-gemeinde.de

III. Erzählung

Erzählung für Jüngere

Aufbruch zur Quelle

Ich bin Maria. Und ich muss euch unbedingt erzählen, was ich gerade erlebt habe! Ich kann es selbst kaum glauben. Ich bin heute Morgen früh aufgestanden. Ich bin zur Quelle gelaufen. Ich hatte so einen Durst, und wir hatten kein Wasser mehr da. Es muss wohl eine Ziege den Krug umgeworfen haben in der Nacht. Ich bin ganz alleine los. Meine Eltern und meine Geschwister haben alle noch geschlafen. Die jüngeren Geschwister, Benjamin und Miriam, hätten das nicht gedurft. Aber ich bin ja schon 14. Da kann ich schon alleine Wasser bei der Quelle holen. So früh war ich noch nie unterwegs. Aber es ging einfach nicht anders, ich hatte solchen Durst. Es war noch dunkel und ganz still. Da bin ich extra laut gelaufen. Denn Tiere wollte ich lieber keine treffen in der Dunkelheit. Den Weg zur Quelle kenne ich zum Glück. Es war noch sehr kalt. Da musste ich meinen Mantel eng um mich herumschlingen. Dann war ich endlich an der Quelle. Ah! War das Wasser erfrischend! 

Begegnung mit dem Engel

Und dann war da plötzlich dieses helle Licht. Und diese Stimme: »Freue dich, Maria, fürchte dich nicht!« Aber was glaubt ihr? Natürlich habe ich mich erstmal total gefürchtet, total erschreckt habe ich mich. Was war das denn für eine Stimme? »Maria, fürchte dich nicht!« Ich habe genau hingehört. Und dann habe ich gemerkt, dass die Stimme ganz lieb mit mir spricht. »Fürchte dich nicht, Maria, Gott wendet sich dir zu. Gott ist mit dir. Gott traut dir zu, dass du sein Kind zur Welt bringst.« Da war ich natürlich total verdutzt. »Ich soll Gottes Kind bekommen? Wie soll das denn gehen?« Ich dachte, ich würde träumen. Aber mit der Zeit wurde mir klar: »Das muss ein Engel sein, der da mit mir spricht. Ein Bote, den Gott zu mir schickt.« Es hat sich schön angefühlt, die Stimme zu hören. Und ich habe mich gut gefühlt mit dem Engel, der zu mir gekommen war. Der Engel hat noch mehr zu mir gesagt: »Gott hat dich ausgesucht. Gott traut dir das zu, genau dir. Für Gott ist alles möglich.« Und dann habe ich mich doch getraut und ihm gesagt: »Ja, ich vertraue auf Gott. Ich bin dabei. Ich traue mich, Gottes Kind zu bekommen.« Dann war der Engel wieder weg. Was jetzt kommt? Ich weiß es nicht. Aber dieses wunderbare Gefühl ist da. Denn es war schön, dass der Engel mit mir gesprochen hat. Ich habe mich wohlgefühlt, als er da war. Und ich vertraue darauf, dass Gott bei mir ist und mich nicht allein lässt. Egal, was kommen wird. 

Erzählung für Ältere

Kann auch in verteilten Rollen gelesen/gespielt werden.

Aufbruch zur Quelle

Erzähler*in: Staub knirscht unter ihren Sandalen. Heute ist sie besonders früh wach geworden. Ihr Mund ist so trocken gewesen, dass sie nicht mehr länger schlafen konnte. So ein nerviger Durst! Alle haben noch geschlafen im Haus. Ihre Eltern und ihre Geschwister. Ein paar schnarchen vor sich hin und alle liegen sie noch entspannt da. Schnell hat sie sich angezogen. Das Nachtkleid aus und das Tagkleid an. Einen warmen Mantel aus Wolle auch noch drüber. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Da ist es kalt. Und schon ist sie draußen gewesen, vor dem Haus. Und sie ist auf den Krug zugelaufen. Sie hat es gleich gesehen: So ein Mist! Der Krug ist leer. Hat den etwa eine Ziege umgestoßen, oder wer hat gestern noch alles Wasser gebraucht? Sie hat sich den Krug auf die Schulter genommen und ist losgelaufen. Ihre Schritte knirschen weiter. So laut hört sie die sonst nie. Alles andere ist still. Das ganze Dorf schläft noch. So früh war sie vielleicht noch nie wach. Kaum Sonnenlicht ist zu sehen. Aber den Weg runter zur Quelle kennt sie zum Glück auswendig. Den würde sie wahrscheinlich sogar mit geschlossenen Augen finden. Sie geht raus aus dem Dorf. Dann den schlängeligen Weg entlang. Aufpassen an der Kurve, da ist ein fieses Loch im Boden, da ist sie schon mal umgeknickt. Allgemein aufpassen auf die spitzen Steine, die piksen trotz Sandalen an den Fußsohlen. Sie läuft besonders laut. So ruhig wie es ist, da will sie keinen Besuch. Von keinem Tier oder sonst wem. Vielleicht hätte sie sonst Angst gehabt, aber der Durst ist so stark, dass sie einfach losgelaufen ist. Sie spürt die Kälte an ihren Sandalen und an den Händen, aber der Mantel wärmt sie. Ihre Schritte knirschen weiter. Endlich ist sie da. Endlich an der Quelle. Sie setzt den Krug ab, krempelt ihre Ärmel hoch und beugt sich schnell zur Quelle. Die Knie auf den staubigen Boden. Sie formt ihre Hände zur Schale und taucht sie in das Wasser. Das Wasser ist ganz kalt. Sie führt es hastig zum Mund. Ah! Das tut gut. Und gleich nochmal!

Begegnung mit dem Engel

Erzähler*in: Als sie sich aufrichtet, kann sie erstmal nur blinzeln. Was ist da denn so hell? Ist etwa gerade eben die Sonne aufgegangen, als sie sich zum Wasser gebückt hat? Ihre Augen blinzeln, aber können außer hellen Strahlen nichts sehen.
Engel: Freue dich, du bist mit Gnade beschenkt, denn Gott ist mit dir!
Maria: (hält sich eine Hand vor die Augen) Wer ist da? Was ist das für eine Begrüßung?
Erzähler*in: Sie weicht etwas zurück. Sie sieht noch immer nichts außer einem hellen Licht. Sie merkt, wie sie regungslos dasteht. Wie aus Stein. 
Engel: Fürchte dich nicht, Maria, Gott wendet sich dir herzlich zu. Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen. Dem sollst du den Namen Jesus geben. Er ist zu Großem bestimmt und wird »Kind des Höchsten« genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vorfahren David geben. Er wird für immer als König herrschen über die Nachkommen Jakobs. Seine Herrschaft wird niemals aufhören.
Maria: Spinnst du? Ich und schwanger? Wie soll das denn gehen?
Engel: Die heilige Geistkraft wird auf dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dieses Wunder in dir bewirken. Deswegen wird das Heilige, das geboren wird, Kind Gottes genannt werden.
Maria: Wie bitte? Ich soll Gottes Kind zur Welt bringen? 
Engel: Sieh doch: Auch Elisabeth, deine Verwandte, erwartet einen Sohn. Und das in ihrem hohen Alter. Sie ist jetzt im sechsten Monat schwanger, und dabei hieß es: »Elisabeth kann keine Kinder bekommen.« Denn alle Dinge sind möglich bei Gott.
Maria: Ja. alle Dinge sind möglich bei Gott. Bei Gott. Aber nicht bei mir. Ich schaff das nicht, ich kann das nicht, das ist doch völliger Quatsch. Wie soll das überhaupt gehen? Was soll ich denn sagen zu meinem Verlobten? Abwenden wird der sich von mir. Sein schönes Gesicht, seine braunen Augen und seine dunklen lockigen Haare, die werde ich dann nie wieder sehen. Nie wieder wird er mich ansehen und nie wieder anlächeln. Und das ist dann gerecht? 
Engel: Maria, fürchte dich nicht. Alle Dinge sind möglich bei Gott.
Maria: Ich fürchte mich aber. Ich spür nichts davon, dass bei Gott alle Dinge möglich sind.
Engel: Maria! Gott wendet sich dir zu. Genau dir. Gott ist mit dir. Gott traut dir das zu. Genau dir. Maria, fürchte dich nicht.

— Pause — 

Maria: Und ich? Ich fürchte mich nicht. Ich fürchte mich plötzlich einfach nicht mehr. Ich spüre es plötzlich: Gott wendet sich mir zu, Gott ist mit mir. Mein Vertrauen zu Gott ist stärker als meine Angst. (Kurze Pause) Ich bin bereit. Ich bin bereit, Gott zu vertrauen. Es soll geschehen, was der Engel mir gesagt hat.

Maria wieder allein

Erzähler*in: Und die Strahlen sind verschwunden. Der Engel Gabriel ist fort. Und doch ist da noch eine Wärme. Eine Wärme aus Vertrauen. Maria krempelt ihre Ärmel wieder herunter und schlingt den Mantel fest um sich. »Habe ich das geträumt, oder ist das wirklich passiert?«, fragt sie sich. »Und was wird jetzt kommen?« Maria hat keine Ahnung. Nur eins spürt sie: Die Wärme aus Vertrauen bleibt. Sie fürchtet sich nicht. Gott ist mit ihr und Gott wendet sich ihr zu. Genau ihr. Gott ist größer als ihre Angst. Bei Gott sind alle Dinge möglich.

Lukas 1,39–56

I. Grundgedanken

Zugänge für den ­Vorbereitungskreis
Zum Text / Zum Thema
Die Kinder und der Text / das Thema

II. Gestaltungshinweise 

Liturgische Elemente
Lieder

Macht hoch die Tür (EG 1, KuS 14, KKL 50);
Jubilate everybody 
(freiTöne 73, HuT 250, EGplus 49);
Mary, did you know? (Autor Mark Lowry)

Gebete 

Siehe »Liturgische Elemente zur ganzen Reihe«

Kreative Umsetzung der Geschichte
Erzählung mit Hindernislauf

Die Erzählung wird kombiniert mit einem Hindernislauf. Je nach Alter und Möglichkeiten, können unterschiedliche Schwierigkeitsgrade angeboten werden. Natürlich ist das Mitmachen freiwillig. 

Erzählung ohne Hindernislauf

Ohne Hindernislauf wird »Der Weg durchs Gebirge« ausgelassen. Bei der »Ankunft bei Elisabeth« wird vorausgestellt: »Nach einer aufregenden Tour tauchen die ersten Dächer auf …« Station 8 bleibt unbeachtet.

Die Geschichte kann mit zwei Erzählfiguren gespielt und die Landschaft mit Tüchern gestaltet werden.

In die Rollen schlüpfen

Nach der Geschichte können sich die Kinder verkleiden und die Begegnung nachspielen. 

Gesprächsimpulse (für Jüngere) 
Theologisieren (mit Älteren)
Gesprächsimpuls zum Magnificat
Schreibimpuls zum Magnificat
Singen vor Freude

Die Freude über Begegnungen zwischen Menschen und Gott kann durch gemeinsames Singen zum Ausdruck gebracht werden. Hierfür bieten sich die aufgelisteten Lieder unter »Liturgische Elemente« und »Zur ganzen Reihe« an.

Hier ein paar Tipps:

junge-gemeinde.de

III. Erzählung

& Erzählung für Ältere &
Erzählung für Jüngere

Mit Hindernislauf
Bei den verschiedenen Stationen gehen die Kinder den unterschiedlichen Weg Marias zu Elisabeth mit. 
Station 1: Hütchen oder größere Steine 
Station 2: Ast/Stab/Besen wird auf die Sitzfläche zweier Stühle gelegt. Die Kinder sollen darunter hindurchkriechen. Es können auch mehrere Äste hintereinander »umgefallen« sein.
Station 3: Ein langes Seil wird auf den Boden gelegt; die Kinder versuchen, darauf zu balancieren. 
Station 4: Decke und/oder Kissen gibt‘s evtl. einen Kräcker als Stärkung?
Station 5: Mit blauen Tüchern einen Bach legen; wenn vorhanden, können auch Flusssteine verwendet werden [s. Internet unter »Flusssteine, Kinder«; evtl. in einer Kita anfragen]; wegen Sturz- und Rutschgefahr besonders achtsam sein). Alternative: graue und braune Tücher oder Filzsteine. Über diese »Steine« wird der Bach gemeinsam überquert.
Station 6: Mit Decken und Tisch wird eine Höhle mit großem Eingang gebraucht. Das Innere der Höhle ist von außen einsehbar. Die Kinder können (freiwillig, wie alles!) nacheinander in die Höhle kriechen.
Station 7: Eine künstliche Schlange liegt auf dem Weg (alternativ ein dickes Seil). Mit nur einem Bein wird darauf zuund über sie hinweggehüpft (alternativ mit beiden Beinen).
Station 8: Kinder führen sich gegenseitig mit verbundenen Augen durch den Raum.

Erzählung

»Maria, du wirst ein Kind bekommen! Gottes Kind! Gott traut dir das zu, genau dir!«, so hat Maria noch im Ohr, was der Engel zu ihr gesagt hat. Und noch etwas hatte der Engel zu ihr gesagt: »Sieh doch, deine Verwandte, die Elisabeth, ist auch schwanger. Obwohl sie schon so alt ist. Denn bei Gott sind alle Dinge möglich.« Jetzt ist der Engel weg. »Kann das wirklich sein, dass Elisabeth auch schwanger ist?«, fragt sich Maria. »Hat der Engel das alles wirklich so zu mir gesagt?« Maria spürt immer noch diese Wärme. Gott meint es gut mit ihr. Gott ist mit ihr. Gott traut ihr das zu, genau ihr. Und doch ist da auch ein bisschen Angst. Wie soll das alles werden? Was soll sie denn jetzt als nächstes machen? Hm … [Pause] Sie hat eine Idee! Sie will zu Elisabeth gehen. Dann kann sie sehen: Ist Elisabeth wirklich schwanger? .

Maria bricht auf

Maria macht sich auf, auf den Weg durchs Gebirge, denn der Weg zu Elisabeth und ihrem Mann Zacharias führt durch das Gebirge hindurch. Sie weiß, der Weg ist nicht leicht. Da gibt es viele gefährliche Stellen.

Der Weg durchs Gebirge

Wir alle, wir machen uns jetzt mit Maria auf den Weg: Maria steigt immer höher: erst sind da nur ein paar kleine Steinchen. Doch die Steine werden immer größer. Da muss Maria aufpassen und um die großen Geröllbrocken herumlaufen. (Station 1)
Das hat super geklappt! Weiter geht’s! Maria kann es kaum abwarten, Elisabeth zu sehen!
Was ist denn hier los? Hier ist wohl ein Ast umgefallen! Kriecht sie unten durch oder klettert sie oben drüber? (Station 2)
Auch das ist geschafft. Sie geht weiter. Oh, jetzt wird der Weg aber schmal! Da muss sie gut aufpassen! Jeden Schritt vorsichtig nach dem nächsten. (Station 3)
Puh! Da musste sie gerade sehr aufpassen. Sie merkt, dass sie gerade echt müde wird. Zum Glück kommen jetzt ein paar runde Steine, auf die sie sich setzen kann. (Station 4)
Das tat gut. Sie geht weiter. Da läuft plötzlich ein Bach genau durch ihren Weg hindurch! (Station 5)
Ha! Das hat Maria auch geschafft! Und jetzt? Jetzt fängt es doch plötzlich an zu regnen. Sie hat keine Lust, nass zu werden und stellt sich in einer Höhle unter. (Station 6)
Zum Glück hat der Regen bald aufgehört.»Tsss … Tss …Tss …« Oh, oh! Maria hört eine Schlange. Schnell springt sie hoch, um der Schlange auszuweichen! (Station 7)
Puh! Die Schlange hat wohl nicht bemerkt, dass Maria da ist, und ist einfach an ihr vorbeigeschlichen!

Ankunft bei Elisabeth

Schritt für Schritt geht Maria weiter. Sie schaut sich um. Sie ist nun schon hoch oben! Da tauchen die ersten Dächer auf. Bald ist sie also im Dorf angekommen! Der Weg wird langsam wieder flach. Jetzt ist sie ganz oben. Doch was ist denn jetzt los? Plötzlich wird jeder Schritt schwieriger, ihre Füße werden schwer. Sie wird immer langsamer. Was macht sie denn hier eigentlich? Ist das nicht verrückt, dass sie einfach den weiten Weg losgelaufen ist? Was, wenn Elisabeth gar nicht schwanger ist? Sie wird sie doch auslachen, wenn sie ihr davon erzählt, dass sie einem Engel begegnet ist und was der zu ihr gesagt hat. Ihre Schritte werden noch langsamer. Wie soll sie sich entscheiden? Soll sie lieber umkehren? Oder soll sie auf Gott vertrauen und weitergehen? Maria weiß es nicht. Ihre Füße, die fangen schon an, die Richtung zu wechseln, fast hat sie sich umgedreht. Lieber wieder zurück? Doch da spürt sie es wieder. Diese Wärme, diese Worte »Maria, Gott traut dir das zu, genau dir!« (Station 8)
Und sie geht weiter. Jetzt geht sie mit festen Schritten. Und endlich ist sie da. Da ist das Haus von Elisabeth. 
Maria klopft. Elisabeth macht ihr auf. Maria sieht sofort ihren wunderschönen, runden Bauch. Und sie sieht, wie Elisabeth strahlt. »Oh Elisabeth, es ist so schön, dich zu sehen!«. Eigentlich will Maria gleich noch mehr sagen. Aber da sieht sie sich Elisabeth genau an. Sie sieht so besonders aus! »Du!«, sagt Elisabeth und fasst Maria an beiden Schultern und strahlt so sehr, wie Maria sie noch nie hat strahlen sehen. »Maria, du bist gesegnet! Du bist so sehr gesegnet! Und gesegnet ist das Kind in deinem Bauch! Es wird so viel Segen bringen, für uns alle! Du bist sie! Die Mutter, die das Kind von Gott zur Welt bringen wird! Und Maria, ich bin auch schwanger und mein Kind, es hat gehüpft in meinem Bauch! Vor Freude, als ich dich gesehen habe! Maria, du bist gesegnet, so unglaublich gesegnet! Du hast Gott vertraut. Was Gott versprochen hat, das wird geschehen.«
Und das Strahlen von Elisabeth, das springt über auf Maria. Maria kann nicht anders, als jetzt auch zu strahlen. Elisabeth ist schwanger – so wie der Engel gesagt hat. Das heißt, auch Maria wird ein Kind bekommen, so wie es der Engel zu ihr gesagt hat. Sie wird ein Kind bekommen, ein Kind von Gott. Das ist doch einfach unglaublich! Wie aufregend! Maria spürt so viel Freude in sich. Und sie spürt ungeheuer viel Kraft. Das muss wohl Kraft von Gott sein. 

Marias Loblied

Und sie fängt an, zu singen: Es sprudelt einfach so aus ihr heraus: 
»Ich freu mich so, Gott! 
Ich danke dir. 
Ich danke dir, dass du auf mich schaust. Ich danke dir, dass ich für dich wichtig bin.
Dass ich für dich besonders bin. 
Danke, dass du mir zutraust, dass ich dein Kind zur Welt bringe. 
Und ich danke dir, Gott, dass du für die sorgst, denen das Nötigste zum Leben fehlt.
Bei dir, Gott, werden die Hungrigen satt. 
Und danke, Gott, dass du hinschaust, wenn jemand unfair ist. 
Du nimmst denen die Macht weg, die sie dafür nutzen, gemein zu sein, anstatt zu helfen.
Ich danke dir, Gott! 
Ich vertraue dir, Gott! 
Ich lobe dich! 
Ich preise dich!«
Maria und Elisabeth strahlen sich an. Den beiden geht es so gut miteinander, dass Maria drei Monate bei Elisabeth bleibt.

Der besondere Tipp …

Advent und Weihnachten mit Legematerial gestalten
Kreative Erzählmethoden und Legebilder

Für Kinder ab 4 Jahren.

€ 21,00; 

Best.-Nr. 2160

junge-gemeinde.de

Lukas 1,57–80

I. Grundgedanken

Zugänge für den ­Vorbereitungskreis
Zum Text / Zum Thema
Die Kinder und der Text / das Thema

Die Kinder könnten sich an Geschichten erinnern, die über die Geburt von ihnen erzählt wird oder die Geburt von ihren Geschwistern. Vielleicht haben sie auch eigene Erinnerungen daran, wie es war, auf die Geburt eines Geschwisterkindes zu warten. Unter Umständen können das nicht nur schöne Geschichten sein.
Zugleich sollte auch im Blick sein, dass Kinder anwesend sein könnten, die adoptiert wurden, bei Pflegeeltern oder in einer Jugendhilfeeinrichtung aufwachsen. Sie können möglicherweise daran anknüpfen, wie es war, in die aktuelle Familie oder Jugendhilfeeinrichtung aufgenommen zu werden.

Die Kinder könnten sich Fragen, wie es sein kann, dass Zacharias plötzlich wieder sprechen kann.

Das Verhalten von Elisabeth und Zacharias kann man so deuten, dass sie mutig waren: Sie haben Gott vertraut und trotz der Erwartungen der Menschen um sie herum den Namen ausgewählt, den sie für den richtigen Namen hielten. Die Kinder könnten sich an Momente erinnert fühlen, in denen sie schon einmal mutig waren, wann sie schon einmal etwas gemacht oder nicht gemacht haben, obwohl es, vielleicht eine Gruppe oder einzelne, anders von ihnen wollten. 

Die Kinder könnten sich fragen, was eine Beschneidung ist und mehr über Beschneidung und Namensgebung im Judentum erfahren wollen.

Exkurs: Die Beschneidung im Judentum
Die Beschneidung (Brit Mila) ist im Judentum ein wichtiges religiöses Ritual. Dabei wird einem Jungen die Vorhaut des Penis entfernt, in der Regel am achten Tag nach der Geburt. Sie gilt als Zeichen des Bundes zwischen Gott und dem jüdischen Volk und geht auf den Bund Gottes mit Abraham zurück (1. Mose 17,9–14).
Im Judentum erhält ein Junge seinen hebräischen Namen häufig im Rahmen der Beschneidungsfeier. Dadurch werden die Aufnahme in den Bund Gottes und die Namensgebung miteinander verbunden

II. Gestaltungshinweise 

Liturgische Elemente
Lieder

Macht hoch die Tür (EG 1, KuS 14, KKL 50);
Seht, die gute Zeit ist nah (EG 18, KuS 32, KKL 52);
Alle Knospen springen auf 
(KuS 36, HuT 10, MKL1 112, Str. 1+2);
Tragt in die Welt nun ein Licht 
(KuS 70, KKL 58, EGplus 81, MKL1 132)

Gebete 

Siehe »Liturgische Elemente zur ganzen Reihe«

Kreative Umsetzung der Geschichte
Macht hoch die Tür!

S. hierzu »Kreative Umsetzung der Geschichte«.

Zusätzliches Material zum Erzählen

Für die Erzählung kann Verkleidungsmaterial verwendet werden.
Für Kinder, die lesen können, könnte eine Tafel oder alternativ ein Papierzettel vorbereitet werden, auf die im Laufe der Geschichte aufgeschrieben wird oder bereits vorgeschrieben wurde: »Johannes ist sein Name«. Das kann an der passenden Stelle vorgelesen werden.

Spiel: »Namen und Gesten«

Alle stehen im Kreis. Eine Person beginnt. Sie sagt ihren Namen und macht eine Bewegung dazu. Anschließend wiederholen die anderen den Namen und die Bewegung. 

Namen und ihre Bedeutung

Die Kinder werden gefragt, ob sie wissen, was ihr Name bedeutet (s. hierzu »Zugänge für den Vorbereitungskreis«). Handy oder Laptop können hier hilfreich sein.

III. Erzählung

Erzählung für Jüngere

Etwas Besonderes

Hallo, ich bin Zacharias. Ich möchte euch heute unbedingt etwas erzählen! Ich bin sooo glücklich, das kann ich nicht länger für mich behalten: Meine Frau Elisabeth und ich, wir haben ein Kind bekommen, einen Sohn! Und für uns beide ist das etwas ganz Besonderes! So, so lange haben wir uns ein Kind gewünscht. Und so, so lange haben wir darauf gewartet und waren so lange so traurig gewesen, dass wir kein Kind bekommen haben.

Die Begegnung

Und dann hatte ich plötzlich diese Begegnung mit dem Engel im Tempel, Gabriel hieß der. Und der hat mir gesagt, dass Elisabeth doch noch ein Kind bekommen wird. Und ich – ich konnte gar nichts mehr sagen. So lange habe ich mir das gewünscht, dass ich diesen Wunsch schon ganz tief weggesperrt habe. Dass das nicht mehr so weh tut. Und plötzlich sagt der Engel zu mir: »Du – ihr werdet doch noch Eltern.« Und es war dann tatsächlich so: Elisabeths Bauch wurde immer runder. Wir konnten es beide nicht fassen. Wir waren uns sicher: Dieses Kind kann uns nur Gott geschickt haben – das ist ein Wunder! Ich konnte noch immer nichts sagen – es ging einfach nicht. Ich konnte Elisabeth beistehen, aber reden konnte ich eben nicht in der ganzen Zeit. Ich glaube, Elisabeth hat das verstanden. 

Zum Glück war Maria viele Monate bei uns. Auch sie ist schwanger. Auch das, ein Wunder! 

Das Kind ist da

Und dann war der Tag endlich da! Endlich wurde unser Kind geboren! Unser wunderschöner, wundervoller Sohn! Und aus der ganzen Gegend kamen die Leute dazu geströmt. Alle haben sich mitgefreut! Welch eine Freude! Welch ein Wunder! Am achten Tag nach seiner Geburt waren sie alle da – dass unser Sohn beschnitten wird und seinen Namen bekommt, so wie alle jüdischen Jungs. Ich konnte noch immer nicht reden. Deswegen haben die Leute Elisabeth umso mehr bedrängt: »Zacharias soll er doch heißen, oder? Wie sein Vater, das ist doch ganz klar!« »Nein!«, hat Elisabeth ganz laut gesagt. »Nein! Er soll Johannes heißen!« Die Leute waren total verdutzt. Es war doch so üblich, dass das Kind wie der Vater heißt. Was war nur mit Elisabeth los? 

Namensgebung

Und dann haben sie mich bedrängt: »Komm schon, Zacharias, du weißt doch, dass sich das so gehört, oder? Zacharias heißt euer Sohn, das ist ja wohl klar, was anderes gibt’s doch nicht, oder? Einfach niemand, wirklich niemand in eurer Verwandtschaft heißt Johannes – das passt nicht! Das gehört sich so nicht!« Ich holte mir eine kleine Tafel. Denn sprechen ging einfach noch nicht. »Johannes ist sein Name.« So habe ich es aufgeschrieben. Und in dem Moment habe ich es wirklich begriffen. Unser Kind, unser Sohn, er ist jetzt wirklich da. Es gibt ihn wirklich. Das Wunder ist da. Und er heißt Johannes. Johannes, wie es der Engel Gabriel gesagt hat. Ich hätte ihm gleich vertrauen können, dem Engel. Aber ich hatte solche Angst, wieder enttäuscht zu werden. Und wieder umsonst gehofft zu haben. 

Wieder Worte

»Johannes ist sein Name« – als ich das selbst noch einmal gelesen habe, da habe ich gemerkt, wie plötzlich alles ganz frei wird in mir. Wie die Freude über Johannes so groß wird, dass sie alle Angst und allen Schmerz wie wegspült. »Hurra! Johannes ist da! Hurra!« Plötzlich und endlich hatte ich wieder Worte, um das auszudrücken, was ich mich so lange nicht getraut hatte, wirklich ganz zu glauben. Und ich wollte einfach nur Gott loben vor Freude »Hurra, gelobt sei Gott, hurra, unser Sohn Johannes ist da! Er ist wirklich da!«
Und alle um uns herum, die ganzen Verwandten und Nachbarinnen und Nachbarn – die haben das dann wohl auch verstanden: Dieses Kind, das muss von Gott geschickt sein! Das wird ein ganz besonderes Kind werden! 

Erzählung für Ältere

Die Erzählung kann in verteilten Rollen gelesen/gespielt werden: Tante Gertrud (Gertrud), mehrere Personen, immer durcheinander (Personen), Erzähler*in, Elisabeth, Zacharias

Erzähler*in: Es klopft.
Elisabeth: Machst du mal bitte auf, mein Schatz? Ich werfe mir noch schnell was über!
Erzähler*in: Er geht zur Tür. Sein kleines Baby schläft noch auf seinem Arm. Er geht langsam und behutsam, um es nicht aufzuwecken.
Gertrud: Hallöle, hallöle! Wie schön, dass wir den Kleinen endlich sehen!
Erzähler*in: Das war Tante Gertrud. Seitdem ihr die Tür aufgemacht wurde, hört es gar nicht mehr auf mit Menschen, die alle auch in das Haus strömen.
Personen: Ach ist er nicht süß! – Ganz die Mama – ganz der Papa! – Ach guck ihn dir an, dieses süße Schnuffelchen! – Und welch ein Wuuuunder! Weeelch ein Wunder! Das in euuuurem Alter! 
Erzähler*in: Die Kommentare überschlagen sich. Das kleine Haus ist nun übervoll mit Menschen. Die Frau kommt aus dem Nebenraum.
Elisabeth: Schön, dass ihr alle da seid.
Erzähler*in: Auch ihr Mann nickt freundlich. Alle sind sie gekommen. Heute, am 8. Tag, für die Beschneidung. Und dafür, dass er offiziell seinen Namen bekommt. So wie alle jüdischen Jungs.
Gertrud: Hach, wie schön, dass er nun endlich seinen Namen bekommt, unser kleine Zzz..
Elisabeth: Nein! Stopp! Johannes soll er heißen!
Erzähler*in: Ihr Mann schaut sie überrascht an. Woher …?
Personen: (wild durcheinander) Ist sie denn völlig übergeschnappt? – Natürlich soll er Zacharias heißen! – Zacharias wie sein Vater! 
Gertrud: Johannes? Pffff – niemand, also wirklich gar niemand in der Verwandtschaft heißt Johannes!
Personen: (wild durcheinander) Das geht ja so nicht, also dass kann man so nicht machen – also…! – Das gehört sich so nicht! Zacharias und sonst nichts als Name das ist ja wohl klar!
Gertrud: Zacharias, also was auch immer deine Elisabeth heute hat. Du weißt doch, was sich gehört. Nun sag du uns – also – äh … schreib du uns auf: Wie soll euer Sohn heißen?
Erzähler*in: Und Zacharias nimmt sich eine Tafel. Er ist ganz ruhig. Er schreibt darauf »Johannes ist sein Name«.
Personen: (wild durcheinander) Johannes? – Was? Spinnen sie jetzt beide? – Er sollte doch wie der Vater heißen?
Erzähler*in: Während die anwesenden Verwandten und Nachbarinnen und Nachbarn weiter darüber diskutieren, ob das jetzt geht oder nicht und was man davon zu halten habe, bewegt sich etwas in Zacharias. Er schaut noch einmal auf die Tafel »Johannes ist sein Name«. Und in diesem Moment kann er es wirklich endlich begreifen. Sie haben einen Sohn. Sie haben wirklich noch ein Kind bekommen und das in ihrem Alter. Der Engel hatte recht. Auch wenn er ihm nicht gleich vertrauen, nicht gleich glauben konnte. Zu sehr hat dieser Wunsch weh getan in den ganzen Jahren. Viel zu schlimm. Aber jetzt, wo er den Namen auf der Tafel liest, da bricht sich die Freude Bahn in ihm, da spült sie allen Schmerz und alle Angst weg. 
Zacharias: Hurra! Johannes heißt er! Johannes ist da! Wir haben doch noch ein Kind bekommen! Gelobt sei Gott, hurra, unser Johannes ist da, er ist wirklich da! Gelobt sei Gott!
Erzähler*in: Und die Anwesenden schauen Zacharias nur verdutzt an. Und hören, dass er endlich wieder Worte gefunden hat. Und dann solche Worte! Ein Loblied auf Gott. Zacharias sprüht nur so vor Freude, es hörte gar nicht mehr auf. Da wurde es ihnen allen bewusst:
Personen: Also dieses Kind – dieser Z – äh nein, ich meine – Johannes – der muss wohl von Gott kommen. In ihrem Alter noch ein Kind – und dann so ein ungewöhnlicher Name! Da kann nur Gott beteiligt gewesen sein!

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