Im Garten GethsemaneIm Garten Gethsemane

Im Garten Gethsemane

Erzählung (für Ältere)

Materialart: Erzählung (für Ältere)
Zielgruppen: Große im KiGo (11 bis 15), Grundschulkinder (6 bis 11)
Themenstellungen: Jesus, Kreuz, Passionszeit

Mit Gott reden gibt Kraft

Olivenbäume wachsen krumm und knorrig. Je älter sie sind, desto dicker werden die Stämme. Man kann in der zerfurchten Rinde Fratzen und Ungeheuer entdecken.

Am Ölberg stehen unzählige Olivenbäume, den ganzen Hang hinauf. Jetzt bei Nacht kann man das nur ahnen. Der Mond wirft helle Flecken auf die Stämme und Schatten auf den Boden.

Die Jünger übernachten mit Jesus hier draußen. Eine Herberge in Jerusalem können sie sich nicht leisten. Und jetzt beim Passafest ist die Stadt sowieso von Festpilgern überlaufen. Hier unter den Olivenbäumen haben sie einen guten Platz gefunden.

Von hier aus sieht man auf die Stadt. Jerusalem liegt heute Nacht noch ziemlich hell da. Aus vielen der kleinen Fenster dringt mattes Licht. Die Leute sitzen noch da und feiern. Und viele sind noch in den Straßen unterwegs und tragen Fackeln bei sich.

„Betet!“, sagt Jesus plötzlich in die Stille. Sie sind an ihrem Übernachtungslager angekommen. „Betet, damit ihr die schlimme Zeit übersteht.“

„Was ist denn jetzt?“, fragt Petrus den Johannes. „Etwas ist seltsam.“

„Komm, wir fragen Jesus“, sagt Johannes und dreht sich um. „Wo ist er denn?“

„Er ist ein Stück weggegangen“, antwortet Jakobus. „Er will für sich sein und beten.“

„Mit seinem Vater reden“, denkt Johannes laut. Er breitet seinen Mantel auf den Boden und lässt sich darauf nieder. „Leute, bin ich müde.“

Nur einen Steinwurf weiter kniet Jesus auf dem Boden. Hier ist es ganz still. Nur ein sanfter Wind lässt die Blätter rascheln. Jesus zittert. Er beugt sich tief und fährt wieder hoch. Es ist, als ob er kämpft. Aber da ist kein Gegner.

„Vater“, stößt er hervor. „Vater, ich kann das nicht. Nimm diesen Kelch weg. Ich kann ihn nicht trinken. Ich will ihn nicht trinken. Ich will das nicht, was jetzt auf mich zukommt.“

Eine Weile hört man Jesus nur atmen. Er atmet schwer, als ob er arbeitet.

„Vater, du kannst dieses Schicksal abwenden. Nimm diesen bitteren Kelch weg. Bitte!“ Jesus betet weiter. Immer wieder und immer lauter. „Aber nicht, was ich will, soll geschehen, sondern was du willst, Vater, was du willst…“ Jesus schwitzt. Schwere Tropfen fallen von seiner Stirn auf den Boden. Er schwitzt, als ob er kämpft. Aber da ist kein Gegner. Nur die knorrigen Ölbäume stehen da und gaukeln einem Gestalten vor.

Aber da ist doch jemand. Jesus kann es spüren. Auch wenn niemand zu sehen ist. Ist das womöglich…? Hat Gott einen geschickt, um ihm die Angst zu nehmen? Ist ein Engel gekommen, um ihn zu stärken? Soll der ihm Mut machen? Ist das die Antwort, die Jesus von seinem Vater bekommt?

Jesus richtet sich auf. Er steht gerade. Er wischt sich über die Stirn und über die Augen. Dann dreht er sich um und läuft zurück zu seinen Freunden.

Er bleibt an ihrem Lagerplatz stehen und schaut nach den Gefährten. Sie liegen alle in ihre Mäntel eingewickelt da. Sie atmen ruhig und gleichmäßig.

„Was schlaft ihr denn? Was hängt ihr hier rum? Habe ich nicht gesagt, ihr müsst beten? Beten, damit ihr die schlimme Zeit übersteht.“ Jesus ist laut geworden.

Die Jünger sitzen erschrocken da: „Was ist denn in Jesus gefahren?“

„Er macht mir Angst“, denkt Johannes und schaut sich um.

Von der Stadt dringt ein Lichtschein durch die Ölbäume. Die knorrigen Schatten huschen hin und her.

Die Stunde der Dunkelheit

Plötzlich ist Andreas hellwach. Gerade noch war er kurz vor dem Einschlafen. Da kommen doch Leute. Er kann sie kommen hören. Sie haben Fackeln dabei und ihre Schritte sind hart. Sie kommen genau auf den Platz zu, wo die Jünger mit Jesus übernachten wollen. Sie reden kein Wort. Das ist seltsam. Sie marschieren stumm.

Jetzt kann man Gestalten zwischen den Olivenbäumen erkennen. Ihre Schatten flackern im Licht der Fackeln hin und her. Andreas hält die Luft an.

„Ach, der ganz vorne, das ist doch Judas“, sagt Johannes. „Also ist alles gut. Wen hat unser Freund denn da mitgebracht?“

Man erkennt die Leute nicht. Es ist zu dunkel. Judas löst sich von der Gruppe und geht auf Jesus zu. Er fasst ihn an den Oberarmen und zieht ihn zu sich. Sie sind ja wie eine Familie. Sie küssen sich auf die Wange, wenn sie sich treffen. Aber jetzt hält Jesus Judas von sich weg. „Was tust du, Freund?“, stößt er hervor. „Mit einem Kuss lieferst du mich aus? An die da?“ Jesus zeigt auf die Leute, die hinter Judas langsam näher kommen.

„Das sind ja…“, fährt es aus Andreas heraus. „Soldaten!“, fällt ihm Johannes ins Wort. „Tempelwachen! Was wollen die hier?“

„Jesus, die sind bewaffnet!“, ruft Andreas. „Die wollen dich mitnehmen. Oder uns alle. Wir wehren uns. Ich nehme mein Schwert…“

Bevor Jesus etwas antworten kann, fährt einer von den Jüngern herum. Er greift unter sein Gewand. Er zieht ein kurzes Schwert hervor und stürmt auf die Soldaten zu. Ein Schrei gellt in die Nacht hinaus. „Halt“, ruft Jesus, „lass das!“ Und er drängt den mit dem Schwert hinter sich.

Einen der Soldaten hat es erwischt. Er kauert am Boden und stöhnt. Zwei rücken mit ihren Fackeln näher heran. Die anderen stehen abwehrbereit mit ihren Waffen da. „Es ist sein Ohr“, raunt einer.

Jesus schaut zu dem Mann hinunter. Die Jünger kennen diesen Blick. Jesus beugt sich zu dem Verletzten und legt seine Hand auf das blutende Ohr. „Er wird doch nicht…“, flüstert Johannes. „Der macht ihm das Ohr wieder heil“, antwortet Andreas. „Aber die wollen doch…“

Jesus steht wieder aufrecht. Er baut sich vor den Soldaten auf. Jetzt erkennt man, dass auch einige hohe Herrschaften mitgekommen sind. Hinter den Soldaten. „Oberpriester!“, stellt einer der Jünger fest. Er klingt erschrocken.

„Was tut ihr hier?“, fängt Jesus an zu reden. Er blickt über die Soldaten zu den Priestern. „Warum zieht ihr mit Schwertern und Knüppeln hier heraus? Wollt ihr einen Räuber fangen?“ Keiner antwortet. Da redet Jesus einfach weiter: „Jeden Tag war ich im Tempel, am helllichten Tag. Alle haben mich sehen können. Warum habt ihr mich nicht da ergriffen?“ Immer noch sagt keiner etwas. „Habt ihr euch vor den Leuten gefürchtet? Dass sie mir helfen, wenn ihr mich verhaftet? Bei Nacht kommt ihr hierher, um mich zu holen! Weil es unrecht ist, was ihr da tut!“

Nun bellt doch einer einen Befehl. Plötzlich kommt Bewegung in die Soldaten. Drei oder vier stürmen vor und halten Jesus fest. Sie binden ein Seil um seine Hände.

Da ist es Andreas, als ob er aus einem bösen Traum erwacht: „Komm, wir müssen weg hier!“ Er schnappt Johannes am Ärmel und zieht ihn hinter sich her. Zwischen die Bäume, in den Schatten, wo sie niemand sieht.

Aber die Soldaten suchen gar nicht nach ihnen. Da wird es Andreas klar: „Die wollen nur Jesus mitnehmen.“

Wieder hört man harte Schritte. Sie sind auf dem Weg, der ins Tal führt und dann nach Jerusalem. Sie bringen Jesus in die Stadt. „Was machen sie mit ihm?“, fragt Johannes verzweifelt. „Hat Jesus gar keine Angst? Wer hat ihm denn so viel Mut gegeben?“                                                                                                      Frank Widmann

  • Autor: Daniel Müller

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