Jesus wird festgenommenJesus wird festgenommen

Jesus wird festgenommen

Erzählung (für Jüngere)

Materialart: Erzählung (für Jüngere)
Zielgruppen: Grundschulkinder (6 bis 11), Kleine im KiGO (3 bis 6)
Themenstellungen: Jesus, Passionszeit

Mit Gott reden gibt Kraft

„Ich verstehe nicht, was Jesus beim Essen heute Abend gesagt hat. Wird denn etwas Schlimmes geschehen?“ Andreas schaut seinen Bruder Simon an. Der schüttelt den Kopf.

Sie laufen alle miteinander durch die Gassen von Jerusalem. Hinter vielen Fenstern sehen sie noch Licht. Und man hört Lachen und Singen. Heute ist Passafest. Da sind Tausende von Menschen in der Stadt. In jedem Haus ist heute das Passalamm gegessen worden.

Auch Jesus und seine Jünger haben gefeiert. Jetzt sind sie auf dem Weg zum Ölberg. Sie haben keinen Platz zum Übernachten in der Stadt. Sie schlafen unter den Bäumen auf der anderen Seite des Tales. Sie gehen durchs Stadttor und dann den steilen Weg bergab. Es ist Nacht und still.

„Jesus hat gesagt, dass sein Blut vergossen wird. Und sein Leib zerbrochen… Das macht mir Angst.“ Jakobus schaut besorgt.

Matthäus nickt: „Und keiner von uns hat ein Schwert dabei, oder? Wenn Räuber kommen …“

„Wieso sollen uns Räuber überfallen?“, fragt Andreas. „Wir haben doch fast kein Geld.“

„Aber wer soll sonst Jesus wehtun?“, will Simon wissen. „Seit Tagen sagt er immer wieder: >Ich muss leiden.<“

„Woher will Jesus das wissen? Kein Mensch weiß im Voraus, ob etwas Schlimmes passiert“, sagt Matthäus.

Rechts und links des Weges wachsen Olivenbäume. Sie sind krumm und schief gewachsen. Es ist ein bisschen unheimlich in der Dunkelheit.

„Hier ist ein guter Platz zum Schlafen“, sagt Simon. Er legt seinen Mantel auf den Boden und will sich darauflegen.

„Bleibt wach und betet!“, sagt Jesus. Es klingt streng. „Betet, damit ihr die schwere Zeit übersteht!“

Und schon hat sich Jesus umgedreht und ist zwischen den Bäumen im Dunkeln verschwunden.

„Bestimmt will er für sich sein“, meint Simon, „für sich sein und beten.“

Jesus kniet am Boden. Er zittert. „Vater, etwas Schreckliches kommt auf mich zu. Kannst du es wegnehmen? Bitte!“

Jesus betet laut. Er schreit fast. Dann sagt er ganz leise:

„Aber nicht, was ich will, soll passieren. Was du willst, muss geschehen.“

Jesus kniet da. Er schwitzt. Immer wieder sagt er: „Vater, etwas Schreckliches kommt auf mich zu. Nimm es weg!“

Da spürt Jesus etwas. Wer ist da? Da ist jemand. Es macht Jesus keine Angst. Ist das ein Engel? Ein Bote von Gott? Einer, der Mut macht? Der die Angst wegnimmt? Kann das sein?

Jesus steht auf. Er geht zu seinen Jüngern zurück. Er muss bei ihnen sein.

Sie atmen tief. Sie liegen alle da und sind fast schon eingeschlafen.

„Warum schlaft ihr denn?“, ruft Jesus verzweifelt. „Steht wieder auf und betet. Ihr müsst beten, damit ihr die schwere Zeit übersteht.“

Simon schüttelt nur den Kopf: „Was hat Jesus bloß? Warum ist er so aufgeregt?“

Die Stunde der Dunkelheit

 „Sag mal“, raunt Andreas seinem Bruder Simon zu, „da kommen doch welche, oder?“ „Hmm?“, macht Simon. Er liegt neben Andreas auf der Erde.

Ja, jetzt hört Simon es auch: Schritte, schwere Schritte.

„Das sind viele“, antwortet Simon. „Was wollen die hier mitten in der Nacht?“ Die beiden setzen sich auf. Auch ihre Freunde blicken alle in dieselbe Richtung.

Dort flackert Licht in der Dunkelheit. Zwischen den Bäumen kann man viele Gestalten sehen.

Simon springt auf: „Sind das etwa Soldaten?“, fragt er in die Runde.

Jetzt ist die Schar von Männern schon ganz nah. „Der Vorderste ist unser Freund Judas“, sagt Andreas. „Also brauchen wir uns keine Sorgen zu machen.“

Judas geht auf Jesus zu. Gleich umarmen sie sich und küssen sich auf die Wange. Aber Jesus bleibt ganz steif. Er hält Judas an den Armen von sich: „Was? So kommst du und verrätst mich? So zeigst du denen da, dass ich es bin? Mit einem Kuss?“

Andreas erschrickt. Was meint Jesus?

Simon steht jetzt neben Jesus. „Wir müssen uns wehren“, ruft er. Einer von den Freunden stürmt auf die Soldaten zu. Er hebt den Arm. Er hat ein Schwert. Mit voller Wucht schlägt er zu. Einer schreit laut auf.

„Halt!“, ruft Jesus dazwischen. „Das will ich nicht.“ Er geht auf die Soldaten zu. Einer sitzt am Boden. Die anderen sind mit den Fackeln näher gekommen.

„Der blutet am Ohr, ganz stark“, sagt Simon. „Aber was macht Jesus?“

Sie sehen, wie Jesus sich über den Verletzten beugt. Er legt seine Hand auf das blutende Ohr. „Er macht ihn heil!“, ruft Simon. „Das kann er doch nicht tun.“

Die Freunde von Jesus sind ein paar Schritte nach hinten gegangen. Sie stehen zwischen den Bäumen.

Aber Jesus steht direkt vor den Soldaten: „Ihr kommt mit Schwertern und Prügeln hierher. Wollt ihr denn einen Verbrecher fangen? Wir haben nichts Böses getan.“ Die Stimme von Jesus klingt streng. „Mitten in der Nacht wollt ihr mich gefangen nehmen. Dabei hättet ihr mich heute früh im Tempel schnappen können. Oder gestern. Am hellen Tag war ich in der Stadt. Ihr wollt mich heimlich mitnehmen. Niemand soll es wissen.“

Einen Augenblick stehen die Soldaten ganz still. Dann ruft einer: „Ergreift ihn!“ Einige Männer nehmen Jesus zwischen sich. Sie halten ihn fest und fesseln seine Hände. Jetzt ist Jesus ganz alleine mit den Soldaten.

Seine Freunde verstecken sich hinter den knorrigen Bäumen. Sie wollen nicht erwischt werden.

Aber die Soldaten gehen einfach mit Jesus fort. Sie schauen sich nicht um.

„Sie haben Jesus mitgenommen“, sagt Simon. „Was machen sie mit ihm?“

„Hat Jesus denn gar keine Angst?“, fragt Andreas. „Wer hat ihm denn so viel Mut gegeben?“

Frank Widmann

  • Autor: Daniel Müller

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