So lange die Erde steht… (Erzählung zu Noahs Arche)So lange die Erde steht… (Erzählung zu Noahs Arche)

So lange die Erde steht... (Erzählung zu Noahs Arche)

Erzählung (für Ältere)

Materialart: Erzählung (für Ältere)
Zielgruppen: Große im KiGo (11 bis 15), Grundschulkinder (6 bis 11)
Meta-Thema: Gott, Schöpfung

Die Enkel fragen

»Opa, Opa, erzähl uns von der großen Flut. Erzähl uns von deinem Schiff!«

Noah sitzt auf einem Hocker, umringt von einer ganzen Schar von Kindern.

»Ihr kennt die Geschichte doch längst. Außerdem war das kein Schiff.«

»Ja, Opa«, antwortet ein Mädchen, »es war ein riesiger Kasten aus Tannenholz. Aber er ist wochenlang auf dem Wasser geschwommen, also war es doch irgendwie ein Schiff. Jetzt erzähl schon, Opa!«

Noah erzählt

»Noah, Noah, hör mir zu.« Aus heiterem Himmel hat Gott mit mir gesprochen. »Es ist genug mit der Erde. Die Menschen sind boshaft und gewalttätig: Streit zwischen Freunden. Krieg zwischen Völkern. Die einen beuten die anderen aus. Sogar vor Kindern machen sie nicht Halt. Sie haben keinen Respekt – vor Menschen nicht und auch nicht vor meiner Welt. Sie nehmen, was sie kriegen können. Sie zerstören und verseuchen. Hätte ich die Welt doch nie gemacht! Eine Flut wird kommen und alles zerstören. Dann hat es ein Ende mit den Menschen und mit dem Leben …«

Ich bin sehr erschrocken, Kinder. Ja, es ist wahr: Die Menschen richten schreckliches Unheil an. »Aber, Gott …«, habe ich geantwortet.

»Du und deine Söhne und eure Frauen, ihr werdet überleben. Baue einen Kasten, riesengroß, mit mehreren Stockwerken, mit vielen Kammern. Du und deine Familie und von jedem Tier ein Paar müssen darin Platz haben. Damit das Leben nach der Flut wieder weitergeht.«

Die Enkel haken nach

»Opa, war das viel Arbeit mit dem Kasten?« »Wir haben Bretter zusammengenagelt. Die Fugen haben wir mit Pech abgedichtet. Eure Väter und Mütter haben geholfen und Oma natürlich auch. Dann sind auch schon die Tiere gekommen. Wir haben sie immer paarweise hereingelassen: ein Männchen und ein Weibchen.« »Opa, ich weiß warum«, ruft ein kleiner Knirps dazwischen.

»Und dann hat es geregnet«, erzählt Noah weiter. »Tagelang. Geschüttet wie mit Kübeln. Bald war alles überschwemmt. Die Wassermassen haben alles mit sich gerissen. Da sind wir schnell in den Kasten gegangen: eure drei Väter, eure Mütter, Oma und ich. Die Öffnung haben wir fest verschlossen und alle Ritzen dicht gemacht.«

»Hast du eigentlich Angst gehabt, Opa?«, fragt ein kleines Mädchen, »ihr alle in diesem dunklen Kasten. Wenn er untergegangen wäre?« »Gott hat gesagt, dass er uns retten wird«, antwortet Noah nachdenklich. »Erst hinterher ist mir bewusst geworden, wie knapp wir davongekommen sind.«

Die Kinder wollen es genau wissen

»Opa, wieso hast du das eigentlich gemacht?«, fragt ein älterer Junge. »Wie meinst du das?«, fragt Noah zurück. »Wieso hat Gott diese Aufgabe gerade dir gegeben? Warst du nicht so böse wie die anderen? Du und Oma, unsere Eltern?«

»Ich weiß es nicht. Ich habe mich bemüht, ehrlich und anständig zu sein. Ich möchte Rücksicht nehmen und fair sein. Aber ich bin ja schließlich auch nur ein Mensch …«

Noah erzählt zu Ende

»Und wie lange seid ihr im Kasten geblieben?« Die Frage reißt Noah aus seinen Gedanken. »Viele Tage, viele Wochen sogar.« – »Jetzt kommt die Taube«, ruft der ganz Kleine dazwischen.» Die anderen Kinder schimpfen: «Du verdirbst ja die Geschichte! Gleich hat Opa keine Lust mehr …«

»Zuerst habe ich einen Raben fliegen lassen, aber der hat uns nicht geholfen. Und dann habe ich die Taube aus der großen Luke oben hinaus gelassen. Sie ist hin und her geflogen und schnell zurückgekehrt. Eine Woche haben wir gewartet. Da ist die Taube lange weggeblieben und mit einem Olivenzweig zurückgekommen. Da war großer Jubel im Kasten. >Wir müssen noch warten<, habe ich eure Väter ermahnt. >Noch hat die Taube keinen trockenen Fleck gefunden.< Erst nach einer weiteren Woche ist sie einfach davongeflogen. Da haben wir eilig das große Tor aufgehebelt. Wir sind aus dem dunklen Kasten gestürmt, alle Tiere hinterher. Sie haben sich ausgetobt und sind davongetrabt, fortgekrochen, weggeflogen …«

»Jetzt kommt der Regenbogen.« Der Knirps klettert Noah auf den Schoß und strahlt. »Nicht gleich«, verbessert ihn Noah. »Zuerst konnte ich mich kaum regen. Ich bin dagestanden, mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Ich hatte Tränen in den Augen – von der hellen Sonne und vor lauter Erleichterung. >Es ist vorbei!<, habe ich immer wieder gedacht. Und dann habe ich Steine aufgehäuft zu einem Altar. Ich habe Gott gedankt und laut gelobt. Dass er uns gerettet hat. Dass das Leben weitergeht. Dass wir neu anfangen konnten.«

Der Regenbogen

»Und als wir den strahlenden Regenbogen entdeckt haben, hat Oma gemeint: >Das hat etwas zu bedeuten.< Wir haben wie gebannt den Regenbogen bestaunt. Und dann hat Gott tatsächlich mit uns geredet. >Habt keine Angst! Das ist mein Zeichen. Immer wenn ein Regenbogen auftaucht, sagt er euch, dass so eine Katastrophe nie mehr kommen soll. Nie mehr will ich die ganze Erde untergehen lassen, dazu gebe ich euch mein Wort. Solange die Erde steht, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.<«

»Und dann, Opa?« Die Kinder schauen Noah erwartungsvoll an. »Und dann hat das Leben neu angefangen. Wir haben die Erde bepflanzt und haben geerntet. Wir haben uns Hütten gebaut und miteinander gearbeitet. Na, – und dann seid ihr gekommen, eins nach dem anderen.« Noah schaut stolz auf seine Enkel, die wild durcheinander kichern.

  • Autor: Frank Widmann
  • © Württ. Evang. Landesverband für Kindergottesdienst e.V.

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